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Tischreden und Lesekost

Ingrid Alps - Vorsitzende der Landfrauen, Lachendorf

Hermannsburg, den 26.04.2013


„Frauen auf dem Lande und der notwendige Respekt“


1. Was heißt Respekt für Frauen auf dem Land?

Frauen waren und sind die tragenden Säulen in den Familien und in der Landwirtschaft – selbstverständlich und ohne Aufsehen zu erregen!


Zwischen Frauen u. Männern gibt es viele Unterschiede

 – Frauen haben nie aufgehört, für ihre Rechte zu kämpfen.


Bis hinein ins 19. Jahrhundert hatten vor allem die Frauen auf dem Lande u. in der Landwirtschaft keine Entfaltungs- und Bildungsmöglichkeiten.

Es war vor allem der Mut einer besonderen Frau, (einer Frau aus der LW), die es fertig brachte, 1898 zusammen mit Frauen aus der Stadt und dem Land einen „landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ zu gründen.


Es ging in den Anfängen um die Möglichkeit der Weiterbildung.

Die fand erst einmal statt durch gegenseitige Belehrung und Anregung.

Vorträge u. hauswirtschaftliche Ausbildung der Töchter u. Hilfskräfte folgten.

Ziel war es, dass die Frauen zum einen am geistigen u. wirtsch. Leben teilnehmen sollten, um gleichzeitig mit ihrer Ausbildung die finanzielle Situation auf dem Lande u. in der eigenen Familien zu verbessern.


Es ging aber auch um das „Ausgefülltsein eines Frauenlebens“

Durch die Weimarer Republik u. dem Nationalsozialismus erst einmal  verboten – entstanden nach Ende des 2. Weltkrieges unsere „LandFrauenvereine“.


´Die Ziele nicht aus den Augen verlieren u. den Blick stets nach vorn`,

das macht auch heute die LF-Arbeit aus.


Die LandFrauen haben nicht nur ein Gespür für Traditionen u.   für das Machbare – sie schaffen Netzwerke  und sind gemeinsam stark!


So fordern sie wieder praktizierende Hauswirtschaft für die Schulen und setzen sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich ein, damit gesunde Ernährung wieder einen Platz an den Schulen – vor allem in den Grundschulen - erhält.


2. Was heißt Respekt für Landwirtschaft und Leben auf dem Lande?

Die Landfrauenvereine sind nicht nur eng vernetzt mit ihren Dachorganisationen – sie halten Kontakte zu ihren berufsständischen Vertretungen, besonders zum Nieders. Landvolkverband – also zur Landwirtschaft:

Sie begleiten und kommunizieren den Strukturwandel in der Landwirtschaft.

Gemeinsam übernehmen sie eine Brückenfunktion zwischen Gesellschaft und Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Verbrauchern und Landwirtschaft.

Ebenso unterstützen sie großzügig kirchliche Veranstaltungen.


Es gibt immer noch die Bäuerin, die neben dem Betriebsleiter mitarbeiten  o. selbst BL oder Meisterin ist.


Diese Mitarbeit ist ein finanzieller Gewinn in jeder Hinsicht.


Auch versorgen diese Frauen unentgeltlich in den Familien pflegebedürftige Angehörige; daneben bleibt dann auch noch Zeit,  einen Posten im Verein, im Kreisverband oder in der Kirche zu übernehmen!


Früher war es auf den Bauernhöfen Brauch,  eine gr. Erntekrone für den Dorfplatz oder die Kirche zu binden.

Noch heute werden zum Erntedank vielfältige schmückende Kronen gefertigt –

für die Kirche, den Kindergarten, den LK Celle

- unsere Krone hängt im Begegnungszentrum der SG  in Lachendorf.

Dieser Brauch stellt eine Verbundenheit zwischen dem Verbraucher u. der Landwirtschaft dar.

Die Vielzahl der eingebundenen Ähren, die die Krone bilden, sollen die Menschen an ihre Abhängigkeit u. ihr Gebunden sein an die Natur erinnern!


Auch hier fordern wir den Respekt u. die Sorge für eine Gesellschaft mit Werten ein – unsere gesunden Nahrungsmittel müssen wir mehr schätzen lernen  u. ebenso uns stetig für eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Flächen einsetzen!


Die LF nehmen nicht hin, dass weiterhin ca. 82 KG Lebensmittel pro Person u. Jahr im Müll landen; teilweise, weil ein vorgeschriebenes MDH oder auch die Form einer Frucht nicht abweichen darf von einer Standartform.


Mit diesen und vielen anderen ehrenamtlichen Aktionen weisen sie entschlossen auf Missstände und Nöte hin: man könnte es auch Frühwarnsystem nennen.


So forderten sie frühzeitig und mit Nachdruck eine bessere medizinische Versorgung auf dem Land – sie setzen sich vehement gegen die Schließung der Frühchen Station in AKH – Celle ein.

Die Ungleichbehandlung in der Verrentung der Kindererziehungszeiten nehmen sie nicht hin – auch da werden sie notfalls Berge versetzen.


3. Welchen Respekt können wir von den Landfrauen lernen?

Seit es LF-Vereine gibt, mischen sich die LF ein und gehen auch immer wieder neue Wege.

Die Landfrauen sind Brückenbauer: Sie erkennen im Wandel der Gezeiten die guten Seiten und bauen Brücken.

Da ist vom demographischen Wandel in unseren Orten ständig die Rede – es kann doch auch als Chance für unsere Gesellschaft genutzt werden:

Mehr Menschen im Alter, mehr Menschen im Ehrenamt.

Sich sinnvoll u. ehrenamtlich betätigen in der Kirche u. in unseren  vielfältigen Vereinen – der Lohn bleibt nicht aus: Bestätigung u. Anerkennung ermutigen, dabei zu bleiben. (-  ich ergänze: haben wir Respekt (Hochachtung) vor diesen fleißigen Ehrenamtlichen!)


Landfrauen sind Multiplikatoren: in der Familie, - Schulen, - in den Dörfern, in der Presse …

Vor kurzem habe ich in unserer CZ gelesen: LandFrauen glaubt man …


Wenn 500.000 LF sich  z. Bsp. gegen die Lebensmittelverschwendung einsetzen, sich hier als Multiplikatoren unabdingbar für eine Veränderung und Resteverwertung einsetzen, kann ein Ruck/eine Veränderung durch unsere Gesellschaft gehen: 500.000 multipliziert mit drei erreichbare Verbraucher: macht 1,5 Mill. u. s. w. – wir können viel mehr erreichen …


Es wird nicht sofort die ganze Welt verändert, hier zeigt sich aber, dass der einzelne mit etwas Mut beginnen kann,  unseren Globus (und wir haben nur diesen einen Globus) mit seinen Ressourcen (Energie – Wasser ) aktiv zu schützen.


4. Welchen Respekt möchte ich  als Vertreterin der Landfrauen einfordern?


Ich wünsche mir, dass wir mit unseren vielfältigen Veranstaltungen Bildung und Botschaften vermitteln – neugierig machen, auf das, was um uns geschieht!


Ich wünsche mir, das wir es schaffen, unseren Kindern Alltagskompetenzen zu vermitteln und sie bereits im Grundschulalter zu bewussten Verbrauchern erziehen.


Ich wünsche mir weiterhin Frauen, die Veränderungen nutzen, neue Wege zu gehen …

   Netzwerke schaffen und die die Landfrauenarbeit noch über Generationen…

-    in unsere Familien,

-    in unsere Vereine,

-    in unsere Kirchen,

-    in unsere Orte,

-    über die Grenzen und …

-    ins 21. Jahrhundert – weitergeben!

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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