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Tischreden und Lesekost

Birgit Jörder - Bürgermeisterin der Stadt Dortmund

Dortmund, 24.02.2012


- Es gilt das gesprochene Wort -


Anrede,


ich freue mich sehr, dass es dem Organisatorenteam aus 8 verschiedenen kirchlichen Organisationen gelungen ist, das 1. Frauenmahl in Dortmund auf die Beine zu stellen.

Dafür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich.


Damit ist hier eine ansprechende Möglichkeit geschaffen worden, in angenehmer Atmosphäre gemeinsam über Religion und Kirche zu diskutieren.

Dass dies großen Anklang findet, zeigt die beeindruckende Anzahl der Teilnehmerinnen von 140 Frauen (und einem Mann).


Die heutige Veranstaltung steht unter dem Titel „Frauen und Macht“.

Ein Thema, dass trotz zahlreicher Erfolge auf dem Weg zu einer gelebten Gleichstellung immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden muss, denn in dieser Hinsicht gibt es noch viel zu tun und aufzuarbeiten.


Ich selbst werde in meiner Funktion als Bürgermeisterin immer wieder damit konfrontiert und bin überzeugt, dass wir nicht nachlassen sollten, darüber zu sprechen und engagiert zu diskutieren.

Denn es gibt noch viele - zu viele - Bereiche, in denen Frauen eben noch nicht die gleichen Chancen haben wie Männer.


Nun bin ich aber heute nicht hier, um über Frauenförderung im allgemeinen zu sprechen, sondern ich wurde gebeten, ein persönliches Statement zu Frauen und Macht abzugeben.


Im Zuge dessen wurde mir angetragen, zunächst einmal Ihre Frage zu beantworten, wie ich an die Macht gekommen bin.

Diese möchte ich vorab jedoch etwas umformuliert wissen in die Frage: „Wie bin ich in das Ehrenamt gekommen, denn als Bürgermeisterin bin ich ehrenamtlich tätig.

Ursächlich dafür waren im Wesentlichen zwei Dinge:

So gab es schon immer viele Menschen in meinem privaten Umfeld, die politisch interessiert waren und es auch noch sind. Zudem war ich ab 1981 in der SPD-Fraktion als kaufmännische Mitarbeiterin tätig.

Wenn man beruflich wie privat so viel mit Politik konfrontiert wird und auch selbst eine gewisse Affinität zu diesem Thema hat, bleibt es bei dem Einen oder Anderen nicht aus, dass er oder sie sich auch entsprechend engagiert. Ich jedenfalls konnte und wollte mich dem nicht entziehen, und es macht mir bis heute großen Spaß, mich einzubringen und die Dinge aktiv mit zu gestalten.

Dabei ist es unerlässlich, gut vorbereitet zu sein, um sach- und fachorientiert denken und handeln zu können.

Im Laufe meiner Tätigkeit habe ich jedoch festgestellt, dass Frauen immer noch besser sein müssen, als Männer, und Frauen ohne Verbündete schlechte Karten haben.

Eine gute Vernetzung mit anderen ist daher enorm wichtig und je nach Organisation und angestrebtem Amt kann dabei auch eine Vernetzung mit Männern ebenfalls sinnvoll sein.


Häufig wird Menschen in verantwortlicher Stellung vorgeworfen, dass Macht korrumpiert.

Hierzu kann ich sagen: Von der Macht korrumpiert wird nur, wer dazu bereit ist:

Menschen, die ihre Macht missbrauchen, um sich ein Denkmal zu setzen oder die sich von Eitelkeiten leiten lassen.

Auch, dass Macht einsam macht, kann ich nicht behaupten, ich fühle mich jedenfalls nicht einsam.

Macht kann jedoch einsam machen, wenn Kritik nicht offen ausgeübt, sondern hinter dem Rücken laut wird.

Der Behauptung „Frauen in Machtpositionen müssen besser sein als Männer“ stimme ich hingegen zu. Denn noch heute gibt es Widerstände gegen eine gleichberechtigte Teilhabe; diese liegen in institutionellen Regelungen, in subjektiven Vorbehalten, aber auch in eingefahrenen Strukturen.

Und wo immer es möglich ist, dies zu verändern, sollten wir uns aktiv einbringen.


Hierzu ein ermutigender Ausspruch von Christine Clauß, sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Mut gemacht. Sie sagte: „Die schlechte Nachricht: Frauen müssen alles doppelt so gut machen wie Männer. Die gute: Es ist ganz einfach“!


Vielleicht ist es auch hilfreich, einmal darüber nachzudenken, ob Frauen ein anderes Verhältnis zur Macht haben als Männer. Meiner Meinung nach machen sie sich zumindest andere Gedanken um ihr persönliches Umfeld.

Frauen gehen oft stiller und unauffälliger mit Macht um als Männer – was nicht immer von Vorteil ist.


Männern ist die Ausübung von Macht oft eher vertraut, sie nehmen sie oft leichter und konsequenter an. Einen Vorteil haben Frauen hingegen, dass Ihnen meist ihre emotionale Intelligenz zugute kommt.


Eines jedoch gilt, wie ich finde, für beide Geschlechter gleichermaßen: Man muss Macht nicht demonstrieren, wenn man gute Argumente hat.

Abschließend rat ich allen Frauen: Sie sollten sich nicht verrückt machen lassen: es gibt genug Skrupel, mit denen sie sich gerne selbst blockieren.

Hilfreich kann auch folgender Gedanke von Maybrit Illner sein:   

„Macht ist kein Wert an sich und per se auch kein Vergnügen.

Es kommt wie bei Beton darauf an, was man daraus macht: eine Mauer oder

eine Sprungschanze.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen Abend!



Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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