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Tischreden und Lesekost

Heidi Merk - Ministerin a.D. für Frauen, Arbeit und Soziales in Niedersachsen

Hannover, 07.03.2013


Respekt – altmodisch oder aktueller denn je?



1.Zum Respekt zwischen Frauen und Männern in der Politik:


  Häufig werden in den Parlamenten persönlich verletzende Ausführungen gemacht, um den / die Andersdenkenden herabzusetzen, lächerlich zu machen, nicht den nötigen Respekt zu wahren( Zitate )

-    Wer hat Ihnen denn das aufgeschrieben?

-    Sie sind gewogen und für zu leicht befunden worden.

-    Sie sind wohl gerade noch der Klippschule entronnen

-    Sie sind ein Sicherheitsrisiko für dieses Land.

-    Nur der Respekt vor dem Politiker X  bewahre ihn davor, die von ihm vorgeschlagene Regelung mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 zu vergleichen.


Zugleich aber wird in regelmäßigen Abständen der Respekt von Politikern zwischen Politikern eingefordert:

-    Frau Merkel lässt bei der Sache Brüderle den Pressesprecher sagen, „dass sie für einen menschlich professionellen und respektvollen Umgang stehe- ausdrücklich auch zwischen Politikern und Journalisten“.

-    „ Ich betone ausdrücklich meinen Respekt vor diesem Rücktritt „( Plagiatsaffären)

-    Der Respekt vor dem Amt erfordert den Rücktritt ( Forderung an Wulff)

-    Der Untersuchungsausschuss fordert mehr Respekt gegenüber den Abgeordneten, denn der Minister habe trotz der dramatischen Mordserie der NSU nichts zur Aufklärung beigetragen und sich desinteressiert gegenüber den Abgeordneten gezeigt.


Viele dieser Feststellungen von fehlendem Respekt und Forderungen nach mehr Respekt sind nicht unbedingt ehrlich gemeint, sie ist sogar oft heuchlerisch. Das äußern immer wieder auch Bürgerinnen und Bürger nach einem Besuch im Parlament. Sie finden, dass Streitkultur nicht verbunden sein darf mit dem Heruntermachen des politisch Andersdenkenden. Auch würden jene Abgeordneten den Respekt gegenüber den Rednern vermissen lassen, wenn sie telefonierten oder mit dem Laptop arbeiteten.

Aus meiner Sicht  kommt es zumeist auf die Sichtweise der jeweiligen Betroffenen bzw. der Akteure an, ob sie die eine oder andere Äußerung oder Handlungsweise als respektvoll oder nicht bezeichnen.

Dennoch gibt es eine klare inhaltliche Beschreibung des Respekts:

Es geht dabei um die Achtung, Wertschätzung und Haltung gegenüber einer Person oder deren Tätigkeit bzw. deren Verhalten. Die Basis dafür  ist , alle Menschen als gleichwertig zu nehmen, ihnen ihre Würde nicht abzusprechen und Anderssein oder anders denken zu tolerieren.


2.Respekt für die Anliegen von Frauen und  ihre Partizipation

Ich möchte dabei als Schwerpunkt all jene Bereiche  setzen, die wir unter den Begriff der Gleichberechtigung subsumieren können.

Da geht es, um nur einige Beispiele zu nennen, um :

-Achtung der Würde der Frauen

-Achtung ihrer unterschiedlichen Biografien und Lebensleistungen

-Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit

-Gleiche Teilhabe auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen

-Abbau jeglicher Diskriminierungen im Recht , in der Wahrnehmung von  Frauen im öffentlichen Leben, den Medien und am Arbeitsplatz

-Beendigung aller Ungleichbehandlungen


Und hier einige Negativbeispiele:


- Die katholischen Bischhöfe ( ! ) diskutieren „die Pille danach“ ( Vergewaltigung )

- Sie haben Ihren Führerschein wohl bei Woolwoth erworben ?

- Was machen Sie hier bei einem Wirtschaftsempfang?

- Die Kirchenerzieherin , eigentlich zuständig für Harmonie und Menschelndes hatte mit eisernem Besen gekehrt ( Marianne Birthler), Focus

- Sie war mit Sicherheit ein charmanter Repräsentant, aber ohne jegliche Verantwortung“( über eine Bürgermeisterin).

- Der kühle Klare setzt auf Kraft und Kompetenz. Diesmal ist der nüchterne Verstand an Stelle von Proporz und Emotionen gefragt.

-Sie ist eine ehrenwerte Hausfrau und Mutter- beliebt sein heißt aber nicht zugleich kompetent( DWZ )

- Sie ist vielleicht die nettere, aber er hat die Erfahrungen

-Seine Welt sind die Vorstandsetagen, er spricht von Innovation, Internet und E-Commerce . Ob ihr Charme dem Wähler genügt, ist allerdings fraglich ( Kandidatur Ute Vogt

 Und zum Schluss: Sie redet zu schnell und lacht zu viel. Es ist ein ständiges Glucksen, Giggeln und Kichern. So viel gute Laune bei so viel ministeriellem Elend- es wird einem ganz schlecht dabei.( Stern über Andrea Fischer)

Und die Bild: Sie wirkt wie von guten Geistern verlassen, so stopfe sie sich beim Edelitaliener in Berlin mit Karamellpudding voll.




An diesen Beispielen wird eines ganz deutlich:


Sobald Frauen in bisher immer von Männern besetzte und beanspruchte berufliche , politische oder/ und  gesellschaftliche und Eben eintreten wollen oder diesen Eintritt geschafft haben, werden sie unerbittlich und vielfach respektlos angegangen.

Dieses männliche Verhalten hat sich z.T. auch auf Frauen übertragen, und so haben z.B. bekannte Frauen, wie etwa die Bundesjustizministerin in der Brüderle Affaire die Frau angegriffen, der diese sexistische Verhaltensweise ( - und das ist Respektlosigkeit vor der Frau und ihrer journalistischen Arbeit gewesen) widerfuhr und sie diese veröffentlichte. Gleiches wurde dann auch dem Medium Presse zu Teil.

Deutschland verzeichnet eine ähnliche Debatte bei der Frage der Quote für Frauen, die immer noch ( siehe bei börsenorientierten Unternehmen) darauf hinaus läuft, das Frauen doch genug „manns“ sein sollten, durch Qualität und nicht mittels der Quote Aufgaben in „höheren Etagen" zu bekommen. Respekt vor den erbrachten Leistungen der Frauen lassen diese Äußerungen

nicht erkennen.


So bleibt uns der Respekt als ein wichtiges Erziehungsziel und bedeutendes Element im Umgang mit der Achtung und Würde jedes Einzelnen als höchst notwendig, fortschrittlich und aktueller den je immer wieder zu implementieren und im politischen, gesellschaftlichen und sozialen Umgang einzufordern.







Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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