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Tischreden und Lesekost

Beate Missing - Hausfrau und Buchautorin, Kaarst

Kaarst, 30.3.1014


Einen wunderschönen guten Abend.
Mein Name ist Beate Missing. Ich bin 48 Jahre alt und wohne bereits seit über 20 Jahren in Kaarst. Nach einigen interessanten Berufsjahren wendete ich mich dem Familienleben zu und setzte fünf Kinder in die Welt, die nach wie vor meinen Alltag in Schwung halten.
15 Jahre lang drehte sich alles um die Familie, und mein Leben fand hauptsächlich im Umfeld von Kindergärten, Schulen und Sportvereinen statt.
Bis vor vier Jahren etwas geschah, worauf ich nicht vorbereitet war und das mein ganzes Leben veränderte.
Ich erinnerte mich an ein Buch, das ich 25 Jahre zuvor gelesen hatte. In diesem Buch wurden die Nasca-Linien beschrieben. Nasca ist eine kleine Stadt in Südamerika, die kaum jemand kennen würde, wenn es dort nicht auf einem 500 Quadratkilometer großen Wüsten-Feld riesige Zeichnungen alter Völker gäbe. An jenem Abend vor vier Jahren, kam mir die Idee, die Nasca-Linien mit Hilfe meines Computers über Satelliten-Aufnahmen zu suchen.
Ich habe sie gefunden, aber nicht nur die Linien und deren Bedeutung, sondern auch meine neue Weltanschauung und eine tiefe Bestärkung meines Glaubens.
Nach mehrjähriger Recherche, die durch mein Interesse an den Nasca-Linien ausgelöst wurde, wusste ich nicht mehr wohin mit all den Informationen, die pausenlos in meinem Kopf kreisten. Ich begann zu schreiben. Und wie bei einem geöffneten Staudamm sprudelten meine Gedanken in ein Buch hinein, das sich beinahe von selbst schrieb. “DIESE EINE WELT, Pythagoras bei den Mayas” - der Titel meines Buches - beinhaltet meine Überzeugung, dass sich die Kontinente bereits weit vor Kolumbus ausgetauscht haben. Dass das Alte Wissen in vielen Bereichen verloren ging und wir mühsam versuchen, die Bruchstücke wieder zusammen zu setzen.
Das mein Buch ein Friedensaufruf ist, erkannte ich erst nach dem letzten geschriebenen Wort.

Pythagoras, der im 6. Jahrhundert vor Christi lebte, und den meisten von uns nur aus dem Mathematikunterricht bekannt ist, predigte die Freundschaft aller mit allen. Er suchte nach dem Ursprung der Welt.
Der größte Universalgelehrte seiner Zeit hatte über den naturwissenschaftlichen, philosophischen und religiösen Bereich erkannt, dass alles mit allem verbunden ist und jeder Einzelne von uns das Gesicht dieser Erde aktiv mitgestaltet. Pythagoras war es auch, der für seine Zeit etwas sehr ungewöhnliches tat. Er nahm in seinem innersten Kreis weibliche Priesterinnen auf, die seine Lehren unterrichteten.

An Pythagoras Seite stand seine Frau Theano, die in meinem Buch die Liebes- und Lebensgeschichte der beiden erzählt. Pythagoras Name ist uns bis in die heutige Zeit geläufig. Das auch seine Frau Theano eine bekannte Philosophin der Antike war, wissen die wenigsten.

FRAUEN  MACHT  POLITIK
Das Thema unseres heutigen Abends. Ein provokantes und geschicktes Wortspiel. Im Imperativ gelesen ist es ein Aufruf an uns Frauen, einzugreifen und unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
Als eine Aneinanderreihung von Nomen bemerke ich – und Sie vielleicht mit mir - einen Widerspruch in der Wortzusammenstellung.
Frauen und Macht, fühlen wir uns dadurch angesprochen? Sind Macht und Politik nicht Spielplätze, auf denen sich meistens die Männer tummeln?
Hierzu ein Zitat von Paul VI. :
„Fallt den Männern in den Arm,
ihr Frauen,
wenn sie die Welt zerstören wollen!“

Erst 1949 wird in unserem Grundgesetz verankert, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Bis 1977 musste eine Ehefrau in Deutschland ihren Arbeitsvertrag noch vom Ehemann unterschreiben lassen, wenn sie berufstätig werden wollte.
Im 18. Jahrhundert lebten Frauen wie Fanny Hensel, Schwester des berühmten Felix Mendelssohn Bartholdy, die ihre Kompositionen zu Lebzeiten nicht veröffentlichen durfte, da dies gesellschaftlich unschicklich war.
Das Frauen von der Zeit regelrecht verschluckt wurden, begegnete mir auch während meiner Recherche über Südamerika. Vereinzelte aber schaffen es wieder aufzutauchen und uns ihre Geschichte zu erzählen.

2012 fand man das Grab der Maya-Königin K'abel, auf die es bis dahin nur schriftliche Hinweise  gab. Man hielt sie für einen Mythos, bis ihr Grab mit der Bestattungsform der höchsten Kriegsherrin gefunden wurde. Damit war belegt, dass diese Königin mehrere Jahrzehnte lang einen großen Teil Perus regierte.
Die Zeitungen titelten: “Peru tausende Jahre von Frauen regiert.”
Eine schöne Bestätigung meiner Recherche, die immer wieder darauf hinauslief, dass Frauen auch in alter Zeit politisch sehr aktiv waren. Sogar im alten Ägypten stieß ich auf mehrere weibliche Pharaoninnen.
Im Laufe meiner Buchrecherche kam ich mit allen Kontinenten in Berührung. Ich beschäftigte mich mit der Antike und war grenzenlos erstaunt, derart viele Gemeinsamkeiten vorzufinden.
Die Schöpfungsgeschichte, Götter, medizinische, technische  und philosophische Erkenntnisse wiesen im Kern derart viele Übereinstimmungen auf, dass ich mich von Neugierde getrieben immer tiefer in diese Themen hineinarbeitete. Insbesondere die asiatische Kultur übte einen immensen Einfluss auf unsere westliche Welt aus. Nicht nur die Mathematik und die Schrift kamen aus dem Osten. Auch die meisten Götter der römisch-griechischen Welt haben ihren Ursprung in Asien. Die Geschichten, die man sich über sie erzählt, sind häufig identisch, nur die Namen der Götter wurden ausgetauscht.
Auch bei den Maya gibt es  erstaunliche Übereinstimmungen zu unserer Bibel. So erzählt man sich die Geschichte des Gottes Hunahau, der in menschlicher Gestalt auf die Erde herab stieg, um sie zu erlösen.
Die Maya begrüßten sich mit den Worten: “In Lak'ech”, was so viel bedeutet wie: “Du bist Ich und Ich bin Du”; also die Erklärung und Bezeugung der Einheit aller Menschen. Die gleiche Bedeutung hat der Gruß “Namaste” in Ost-Indien.
All diese und viele weitere Erkenntnisse haben mich zu der Überzeugung geführt, dass wir alle und auch unsere Religionen gemeinsamen Ursprungs sind.
Wenn wir diesen Gedanken zulassen und nach unseren Gemeinsamkeiten Ausschau halten, anstatt ständig nach Abgrenzungen zu suchen, könnte unsere Welt eine friedlichere Welt sein.
Sogar die Unterscheidung in Mann und Frau ist nur ein Konstrukt in unserem Kopf und in der jeweiligen Zeit gesellschaftlich geprägt. Auf dem Nasca-Feld wird dies sehr eingängig mit Hilfe eines Symbols dargestellt.

Symbol weiblich-männlich

Pythagoras sprach von der fraktalen Struktur.
Ein Beispiel aus der Natur: Ein einzelner Zweig zeigt uns den Aufbau des gesamten Baumes. Ein mathematischer Begriff mit der Bedeutung:
“Das Kleine im Kleinen wie das Große im Großen”; oder anders ausgedrückt, das Eine im Anderen, sich selbst im Anderen sehen.
Wenn wir alle uns bemühen im Kleinen zu beginnen - innerhalb unserer Familie, unserer Nachbarschaft, unserem Bekanntenkreis – wenn wir alle immer wieder aufs Neue versuchen, in unserem Gegenüber nicht das Trennende, nicht das Fremde, sondern die Verbindung zu suchen und anzuerkennen, dann könnte unsere Welt liebenswerter werden. Dann könnte dieser Impuls sich vom Kleinen auf das Große übertragen. Wir können nur Frieden in die Welt bringen, wenn wir ihn in uns selbst fühlen.

Jesus hat so viel über die Brüderlichkeit gesprochen. Gerade er hat den ausgegrenzten Menschen der Gesellschaft Achtung entgegengebracht, eine Hand gereicht und sich damit dem Hohn und Spott der redlichen Bevölkerung ausgesetzt. Er versuchte ein Zeichen zu setzen und zu vermitteln, dass niemand es verdient an den Rand einer Gesellschaft gedrängt zu werden. Denn nur wer sich als Teil der Gesellschaft fühlt, wird sich einbringen, kann mit seinen Fähigkeiten einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten.
Somit möchte ich den bekannten Slogan – „Du bist Deutschland“ – ausweiten.
Ausweiten auf:
Du bist Gesellschaft
Du bist Kirche
Du bist Religion
Denn gerade wir Frauen sind es, die die Chance haben, unsere Lebenseinstellung durch Erziehung und vorgelebtes Leben an unsere Kinder weiterzugeben. Werden wir uns dieser Stärke und dieser wichtigen Aufgabe bewusst und tragen wir sie in DIESE EINE WELT.

Ergänzend hierzu zwei wichtige Aussagen eines Stammesführers der Cheyenne, einem Volk amerikanischer Ureinwohner:
Auf die Frage, warum er die Sonne anbetet, antwortet er:
“Ich bete nicht die Sonne an, sondern den Gott hinter der Sonne.”
Gefragt nach der Stellung der Frau innerhalb seines Stammes sagte er folgendes:
“Unsere Frauen mussten niemals um ihre Anerkennung kämpfen.
Sie waren bei unserem Volk nie weniger Wert als die Männer.
Die Frau war und ist wichtiger Bestandteil unseres Stammesgefüges. Seit alters her schätzen wir ihre  besondere seelische Stärke und richten uns nach jener Eingebung, die die Natur der Frau verleiht.”
© Nanata Mawatani| Wo der Adler fliegt

Beenden möchte ich diese Rede mit den Schlussworten meines Buches:
“Die Schöpfung Gottes begann mit dem Wort. Ich vertraue darauf, dass es auch das
Wort sein wird, welches zur Erhaltung dieser Schöpfung beitragen wird. Geht
aufeinander zu! Redet wieder miteinander!
Unser aller Vertrauen wird das Leben auf dieser Erde retten.
Wenn der Geist keine Unterscheidungen sucht, sind alle Dinge das,
was sie sind – eine Einheit.
Wir alle sind Kinder dieser einen Welt.“

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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