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Tischreden und Lesekost

Gertrud Mühlemeier-Osthoff - Kath. Gemeinde Düsseldorf-Unterbach, Freundeskreis Haiti

Impulsreferat zum Frauenmahl am 28.10.2012


‚Ihr seid das Licht der Welt.

Es kann eine Stadt nicht verborgen bleiben,

die droben liegt auf dem Berge.

Auch zündet niemand eine Lampe an

und stellt sie unter den Scheffel,

sondern auf den Leuchter,

und sie leuchtet allen, die im Hause sind.

So leuchte euer Licht vor den Menschen,

damit sie eure guten Werke sehen

und euren Vater preisen, der im Himmel ist.´  Matthäus 5,14-16


Ein wesentliches Element des christlichen Glaubens ist der Dialog. Gott selbst ist in der Dreifaltigkeit in Beziehung von Beginn an. In den Texten der Bibel, ob Altes oder Neues Testament geht es um die Erzählung von dialogischen Beziehungen. Die Antwort Gottes auf Moses Frage nach seinem Namen: Jahwe – Ich bin da. ,verstehe ich als die grundlegende Zusage, dass Gott mit jedem Menschen ist, ihn kennt und begleitet und ihm die Freiheit gibt, diese Liebe anzunehmen.

Wenn ich dies tue und diese Beziehung ernst nehme, dann spüre ich auch die in mich gesetzte Erwartung,  dann wird mein Leben ein Dialog mit Gott.

Was aber erwartet er von mir? Wie kann ich Licht sein?

In den letzten Wochen habe ich darüber nachgedacht, wie ich als Mutter und nun seid 8 Wochen als Großmutter Licht sein kann. Mein Glaube, den ich als Geschenk betrachte, ist ja gewachsen in der Begegnung mit Menschen, die ihren Glauben überzeugend und glaubwürdig in ihrem Leben durchscheinen ließen, meine Eltern, meine Familie, Jugendleiter, Priester und insbesondere viele Frauen, die mir begegnet sind. Dabei hatte ich das Glück, viele positive und nur wenige abschreckende Erlebnisse gemacht zu haben. Ich weiß wie schnell ein unsensibles Handeln, eine Kränkung oder Herabwürdigung, insbesondere durch hauptamtliche Kirchenvertreter ,den Rückzug aus der Kirche verursachen können.

Also war es mir wichtig, auch meinen Kindern die frohmachende Botschaft weiterzugeben. Ich habe mit ihnen gebetet, ihnen Geschichten erzählt und vorgelesen, sie mitgenommen in den Gottesdienst. Für mich als Kind war es selbstverständlich am kirchlichen Leben teilzunehmen, ich habe das selten als Zwang empfunden. Aber ich habe schon die Verpflichtung verspürt, an mich gerichtete Erwartungen zu erfüllen. Und weil ich viele positive Erfahrungen gemacht habe, ist es mir wichtig geworden.

Ich wollte meine Kinder nicht überreden oder indoktrinieren, aber natürlich weiß ich heute, dass sie  manchmal auch  mitgekommen sind, um mich nicht zu enttäuschen. Sie sind mitgekommen, haben teilgenommen an den Vorbereitungen zum Sakramentenempfang, an Gruppenstunden und Freizeiten, haben sich später selbst in der Gemeinde engagiert und ich hoffe durch die vielen Begegnungen und Erfahrungen ist ein Fundament gelegt, auf dem Glaube wachsen kann.

Heute ,als Erwachsene um die 30, ist ihre Verbindung zur Institution Kirche brüchig geworden, auch wenn sie ganz selbstverständlich an den kirchlichen Hochfesten oder zu familiären Anlässen mit in die Messe gehen und sich auch insbesondere Weihnachten freuen, dort andere aus der Jugend zu treffen.

Meine Glaubensheimat ist die katholische Kirche. Sicher gibt es dort einiges, was ich nicht so leicht mittragen kann. Aber die Kirche ist nicht wie ein Verein oder eine Partei, wo ich austrete, wenn mir die Leitung oder ein Programmpunkt nicht passt. Jede und jeder ,der getauft ist, ist ein notwendiges Glied. Kirche ist lebendig in der Gemeinschaft , dort kann ich mit anderen meinen Glauben stärken und feiern. Wenn nun immer weniger Menschen in der Kirche verankert sind, wie soll es weiter gehen?

Mich beschäftigt, ob mein Enkel getauft werden wird. Meine französische Schwiegertochter, die ich sehr gerne habe und schätze, ist nicht getauft und hat kaum religiöse Erfahrungen gemacht. Sie ist nicht gegen eine Taufe. Und mein Sohn will lieber warten, vielleicht das Kind später selbst entscheiden lasse.

Und da ist dann wieder die Frage, wie kann ich Licht sein?

Ich möchte keine frömmelnde Oberlehrerin sein, nein ganz bestimmt nicht. Und mir ist als Mutter und Pädagogin klar, wie wenig ich ´machen ´kann. Ich kann begleiten, anregen, helfen, ermutigen, Beispiel sein, aber ich kann auch in guter Absicht vieles falsch machen.

Bin ich zu kleingläubig, nehme ich mich zu wichtig, kann ich vertrauen darauf, dass Gottes Geist wirkt?

Die Zukunft von Glaube und Kirche hängt mit davon ab, ob wir Licht sein können, ob wir glaubwürdig sind in unserem Tun und Leben. Dabei sollten die Erwartungen an uns selbst nicht zu groß werden und wir dürfen nicht so schnell enttäuscht sein, wenn etwas nicht so gelingt, wie wir es uns gewünscht hätte. Wir können die Verantwortung auch nicht an die Hauptamtlichen abgeben. Jede und jeder ist berufen seine Talente einzubringen.

Den Firmlingen , die ich in der Vorbereitung begleite habe, habe ich gerne den folgenden Text aufgeschrieben:


Den Weg, den du vor dir hast, kennt keiner.

Nie ist ihn einer so gegangen, wie du ihn gehen wirst.

Es ist dein Weg, unauswechselbar.

Du kannst dir Rat holen, aber entscheiden musst du.

Hör auf die Stimme deines inneren Lehrers.

Gott hat dich nicht allein gelassen.

Er redet in deinen Gedanken zu dir.

Vertraue ihm und dir.    (Ulrich Schaffer)


Ich vertraue darauf, dass Gott mit den Menschen, eben auch mit denen, die mir besonders wichtig sind, meinen Kindern und Enkeln, mit geht auf Wegen, die mir vielleicht fremd und nicht verständlich sind. Aber das ist so faszinierend an unserem Gott, dass er so anders ist, als wir es uns vorstellen können.



Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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