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Tischreden und Lesekost

Irene Reifenhäuser - Unternehmerin, Fa. CONTRACT-KG, Karlsruhe

Karlsruhe, 24.06.2012


1. Warum habe ich zugesagt, wo ich doch eigentlich Tischreden hasse, selbst wenn

ich sie auf Familienfeiern halten muss?

Der Grund ist, dass ich erlebe, dass christliche Werte im Unternehmerischen

Handeln als Orientierung und als Hintergrund für gemeinsame Beurteilungen

immer wichtiger werden. Insbesondere auch dann, wenn ich kritische

Entscheidungen fällen muss, die nicht nur Gewinner haben. Deshalb war ich

bereit hier zu reden.


2. Welche Impulse können Frauen in Krisen setzen?

Für mich will ich das auf Handeln in Arbeitszusammenhängen einschränken.

Umbrüche und Krisen gab es in jeder Zeit immer wieder und es waren immer die

schlimmsten. Es stimmt, dass wir heute andere Krisen und Umbrüche haben als

noch vor 20/30 Jahren – aber das ist normal. Es geht immer darum, etwas Neues

und etwas anderes zu lernen, was wir vorher noch nicht konnten. Zum Lernen

gehören Krisen, was jede Mutter von Kindern weiß.

Not, Angst, Ohnmacht sind notwendige Erfahrung, um Selbstvergewisserung,

Neue Kompetenzen, neue Freunde, neue Möglichkeiten zu entwickeln.

Diese Einstellung zu Krisen macht einen Unterschied.

Aus der Menge der Herausforderungen, die uns zum Lernen animieren, möchte

ich zwei herausgreifen:


Wir können komplizierte Probleme strukturieren, optimieren, vereinfachen,

maximieren, aber wir stehen heute vor der Aufgabe, komplexe Probleme zu

lösen. Die Frage lautet: Wie schaffen wir eine Balance zwischen

ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen? Diese

können nicht auf komplizierte Dynamiken reduziert werden.

Das macht uns, wenn wir ehrlich sind, unsicher. Wir müssen wirklich ganz

„neu“ suchen: Was ist gerecht, was ist nachhaltig und was ist das, was wir

nach guter Abwägung ausprobieren wollen?

Frauen können leichter diese Unsicherheit zugeben, die notwendig ist, um

„neu“ zu suchen.


Ein zweites Thema ist die Geschwindigkeit.

  • In der Kommunikation und der Reaktionszeit

  • In den kürzeren Zyklen im Wirtschaftshandeln.


Wir haben die Tendenz uns an-zu-passen oder uns zu verweigern. (Slow Food

– fast Food, old Europe – american style.) Diese 0 – 1 Lösungen helfen uns

nicht in der Krise. Wir müssen neue Formen von

  • Achtsamkeit

  • Gelassenheit und auch

  • Bescheidenheit 

entwickeln.


Wie das geht wissen weder Männer noch Frauen besser, aber Frauen haben die Chance in den Wirtschaftssystemen der Männer genauer hin zu schauen

und irritiert zu sein.


3. Hilfsmittel die wir brauchen, um zukunftsweisende Impulse zu setzen

Bei diesen und bei anderen Krisen sind Werte Hilfsmittel, um etwas

auszuprobieren, Hilfsmittel, um Impulse zu setzen und es sind immer subjektive

Wahrnehmungen, bei denen wir uns bewusst sein müssen, dass jede von uns sie

möglicherweise unterschiedlich interpretiert.

Dies tun insbesondere auch Männer und Frauen, aufgrund ihrer

unterschiedlichen Art auf die Welt zu schauen.

Um Impulse zu setzen, brauche ich Angst, um dann mutig sein zu können und

nicht tollkühn.

Ich brauche das Ausprobieren und Leben im Kleinen mit Neugier auf das

Große.

Hier haben wir Frauen was zu bieten, was einen Unterschied macht. Was

nicht heißt, dass wir wissen, wie es geht, aber wir können wichtige und andere

Fragen stellen, um Bewegung zu unterstützen.


4. Meine innere Goldwaage, meine Werte wenn ich berate:

Meine persönlichen Messkriterien/Werte die mich in meiner Beratungsarbeit

immer wieder leiten sind Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

Bei Gerechtigkeit geht es mir um die Spreizung in unserer Gesellschaft und in

der Welt zwischen Arm und Reich (auch unterschiedliche Bezahlung der

verschiedenen Berufsgruppen), Nord und Süd, Jung und Alt.

Bei dem Thema der Nachhaltigkeit schwingt für mich das, was ich vorher als

Komplexität dargestellt habe, mit - nämlich die Aufgabe People, Planet und Profit

gleichzeitig ins Blickfeld zu nehmen und sich bewusst zu sein, dass die Lösungen

keine einfache Richtigkeit haben können.


5. Abschluss und Frage

Ich möchte jetzt zu meiner Einleitung zurückkommen und ihnen für das

Tischgespräch die Frage stellen: welche Werte benutzen Sie in Krisen als

Goldwaage, um sich zu orientieren, damit wir nicht die einfachen nicht

zukunftsfähigen Lösungen ansteuern?

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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