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Tischreden und Lesekost

Antje Röckemann - Pfarrerin, Gender-Referat im Ev. Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid

Begrüßung beim Frauenmahl in Gelsenkirchen am 14. September 2017

 

Sehr geehrte Damen – und Damen,

es ist mir eine große Freude, Sie alle heute Abend zum 1. Frauenmahl in Gelsenkirchen begrüßen zu dürfen.
Es sieht von hier wunderbar aus, Sie an den langen Tischreihen sitzen zu sehen. Und ich selbst bin bestimmt mindestens genauso gespannt, was uns heute Abend erwartet, wie Sie alle.

Mein Name ist Antje Röckemann, und ich freue mich, zusammen mit Susanne Fischer heute Abend Ihre Gastgeberin zu sein.

Was erwartet uns nun heute Abend? Interessante Frauen, die von Bremen und Köln, aus Münster, Bochum und Krefeld zu uns gereist sind und uns mit einer Tischrede Impulse zum Nachdenken, Weiterspinnen, Diskutieren und Argumentieren geben werden. Herzlich willkommen Ihnen allen: Ulrike Hauffe, Nino Melashvili, Rabeya Müller, Aurica Nutt und Ursula Theißen – wir werden Sie etwas später noch genauer vorstellen.
Conny Rotter musste leider aus familiären Gründen absagen und bedauert das sehr.
Das Essen, das uns erwartet – auf den Menu-Karten sind alle 5 Gänge schon aufgeführt – der erste Gang steht schon auf den Tischen, Sie wissen also, worauf Sie sich freuen können.

 

Aber was ist denn eigentlich ein Frauenmahl? Warum lade ich Sie als Pfarrerin und Gender-Referentin des Evangelischen Kirchenkreises dazu ein?
Nun ja. Vor 500 Jahren wurden entscheidende Weichen dafür gestellt, das heute überall auf der Welt Christinnen und Christen leben, die sich als evangelisch oder protestantisch bezeichnen. Das wird mit dem Reformationsjubiläum auch in Gelsenkirchen und Wattenscheid gefeiert, schon das ganze Jahr mit verschiedensten Veranstaltungen. Das alles hat mit Martin Luther zu tun – das wissen mittlerweile wohl wirklich alle.
Weniger bekannt dagegen ist, dass auch Argula von Grumbach, Elisabeth Cruciger, Katharina Zell, Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Wibrandis Rosenblatt, Margarete Blarrer, Giulia Gonzaga, Olypmia Fulvia Morata, um nur einige zu nennen, wesentlich in und für die Reformation im 16. Jahrhundert gewirkt haben.
Und natürlich auch Katharina von Bora, die Lutterin, die sich Martin Luther zum Mann erwählte und als erste evangelische Unternehmerin das ehemalige Kloster leitete und sich um die Vermarktung von Luthers Schriften kümmerte – denn weder Bier brauen noch mit Geld umgehen, gehörte zu den Fähigkeiten ihres Mannes. Aber heute ist kein historischer Abend, also genug davon.

 

Die Reformation vor 500 Jahren war nicht die erste Veränderungsbewegung – und mit ihr war die Kirche auch nicht „fertig“ reformiert. Reformation ist ja ein ständiger Prozess. Ecclesia semper reformanda – so lautet diese Erkenntnis auf Latein. Die Kirche ist dadurch definiert, dass sie sich ständig reformiert, ständig im Wandel, in Veränderung begriffen ist. Oder mit andern Worten: Die Kirche ist eine lernende Organisation.
Ich wage die These: Die feministischen Theologinnen haben diese Erkenntnis aufgegriffen und damit ernst gemacht. Und auch ein bisschen Tempo in die Veränderungen gebracht. Sonst stünde ich heute nicht als ordinierte Pfarrerin hier.
Das würde ich Ihnen gerne ausführlicher erläutern, aber nicht heute Abend. Stellen Sie sich also einfach einen 90-minütigen Vortrag vor.

Und am Ende davon sage ich dann:

Eine der wichtigsten Erkenntnisse feministischer Theologinnen war und ist diese: Wir brauchen den Dialog. Wir wollen voneinander lernen. Wir wollen miteinander diese Welt gestalten. Über alle Grenzen hinweg.

Das ist schwer, das ist anstrengend. Dafür brauchen wir Wegzehrung. Was liegt also näher, den Austausch über die Fragen unseres Zusammenlebens in Vielfalt mit einem Essen zu verbinden. Wir sitzen nicht alle in einem Boot – aber wir sitzen hier alle an einem Tisch, nein, Entschuldigung, an zwei Tischen.

 

Vor Ihnen und neben Ihnen sind Frauen, die sie vielleicht noch nicht kennen, mit denen Sie heute Abend ins Gespräch kommen können. Über das Essen „Finden Sie die Suppe auch so lecker?“ – Damit kommt man doch prima ins Gespräch. Oder über die Tischreden „Die Rednerin hat das toll auf den Punkt gebracht, finden Sie nicht auch?“
Und Sie sollen auch wissen: Mit der Teilnahme an diesem Frauenmahl sind Sie auch Teil einer Bewegung, die im Oktober 2011 begann – seither gab es über 170 Frauenmahle. So viele sind jedenfalls auf der Website frauenmahl.de dokumentiert. Und damit sind wir Teil der Frauenbewegung, die nach dem Gemeinsamen, dem Verbindenden sucht – um unsere Welt, die kleine wie die große, in guter Weise mitzugestalten.

Und weil das wirklich nur miteinander geht, freue ich mich sehr, dass ich hier nicht alleine stehe, sondern zusammen mit Susanne Fischer, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Gelsenkirchen.

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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