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Tischreden und Lesekost

Adelheid Wawrzinek - Vorsitzende der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland e.V.

Kalkar, 03.02.2012


Mit welchem Beitrag sollen Kirche und Religionen auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren, die von gesellschaftlichen Spannungen und Katastrophen erschüttert ist?


Sehr geehrte Damen, liebe Schwestern,


ich danke herzlich für Ihre Einladung zu diesem besonderen Abend, dem ich mit Spannung entgegen gefiebert habe. Ich freue mich, dass es so gut gelungen ist, und so viele hier das köstliche Mahl und die gute Musik genießen.


Das ich die letzte der Rednerinnen heute Abend bin, ist vielleicht dem Alphabet geschuldet, wahrscheinlich sogar. Nicht schlecht habe ich gedacht, ist ja fast ein Privileg. Ich sehe darin eine große Chance. Die Chance nämlich, dass Sie auf dem Nachhauseweg noch ein wenig nachdenken über die FH, von der ich Ihnen erzählen möchte.


Mit Leib und Seele bin ich FH-Frau. Und Sie können ein leidenschaftliches Plädoyer erwarten.


Unser Verband arbeitet seit mehr als 110 Jahren für Frauen und mit Frauen. Wir engagieren uns sozial. Wir führen ein Haus auf Spiekeroog, eine MutterKindKlinik. Wir sind der Müttergenesung angeschlossen. Besonders hier können wir Frauen stärken und wegweisend sein für ein gesundes, ausgeglichenes Leben. Im Haus der Frauenhilfe in Bad Godesberg gibt es unter unserer Leitung ein Altenheim und eine Tagespflege.


Wir sind der größte evangelische Frauenverband, uralt und doch jung und voller Energie, im Evangelium verwurzelt. Und darum habe ich auch keine wirkliche Angst vor Herausforderungen, die uns jetzt und zukünftig beschäftigen. Ich sehe da mit einer gewissen Gelassenheit vorwärts und das hat einen guten Grund.


Es gibt sie nämlich, die Frauen, die sich einmischen, die einfordern und sich durchsetzen. Es gibt sie, die Frauen, die vieles in Gang bringen, die fördern und unterstützen. Die über den Tellerrand gucken, aber auch und dass ist wichtig, im eigenen Umfeld Sorge dafür tragen, das Frauen gefördert, gestärkt und mit ihren Problemen nicht alleine gelassen werden. In der EFHiR hat es immer Frauen gegeben, die sich Gedanken gemacht haben um die Zukunft der Frau in Kirche und Gesellschaft. Heute genauso wie zu Zeiten der Gründungsmütter: mit Herz und mit Verstand. Damals wie heute haben wir viel bewirkt. Ständig und immer standen wir vor Herausforderungen. Wir bringen uns ein – auch in Politik, pflegen soziales Engagement für Frauen wo auch immer. Die Themen sind anders geworden. Selbstverständlich. Die Begeisterung und die Hartnäckigkeit und die Selbstsicherheit nicht. Die sind stark wie eh und je.


Wo fühlen wir uns nun herausgefordert? Überall da, wo Frauen benachteiligt sind, wo sie Gewalt erfahren, wo ihre Rechte beschnitten werden, wo ihnen Rat und Hilfe verweigert werden, wo ihnen eine Hand fehlt, die sie führt, wo sie einen Platz suchen, an dem sie sich angenommen und respektiert fühlen. Da ist unsere Herausforderung! --- Und überall da ist Frauenhilfe, setzen sich Frauen für Frauen ein.


Ihnen und mir ist klar, dass es nicht möglich ist, sämtliche Probleme und Spannungen der Welt zu lösen. Aber dazu beizutragen, dass sie weniger werden, dass ist möglich. Vieles haben wir schließlich bereits geschafft und nachhaltig bewirkt. In jüngster Zeit war die Präimplantationsdiagnostik unser Thema, Menschenhandel in Verbindung mit Prostitution, ethnische Geldanlage – wir haben überzeugt für Oikokredit geworben, damit Frauen Chancen haben, ein zufriedenes Frauenleben zu führen, ihre Kinder, ihre Familien zu ernähren. Unsere Arbeit mit Migrantinnen ist beispielhaft, wir bieten Integrationswochen an, die nicht nur gut angenommen werden, sondern auch nachhaltig wirken. Unser Ziel ist Gerechtigkeit für Frauen, denken Sie an die Weltgebetstagsarbeit, die wir leisten und die uns jedes Jahr aufs Neue herausfordert. Die Not der Anderen lindern helfen, sie überhaupt zu sehen, wahrzunehmen, Aufklärungsarbeit zu leisten, das sind unsere Herausforderungen. Auch deshalb sind wir in Kooperation mit Medica Mondiale. Wir unterstützen Dr. Monika Hauser und ihre Organisation, die Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten Hilfe an Leib und Seele geben.

Für uns ist wichtig, dass das Interesse am Weltgeschehen aus Sicht der Frauen nicht abebbt. Das wir uns einmischen und glauben Sie mir, das ist nötiger denn je. Das wir Solidarität bekunden, Missstände aufzeigen, Abhilfe schaffen. Das erreichen wir mit unseren Frauenhilfe – Gruppen, die engagiert und hoch motiviert mitarbeiten. Die sich auseinandersetzen mit der Botschaft der Bibel, mit den Gestalten der Bibel, hier natürlich im besonderen Maße mit den Frauen. Auch die Begegnung mit der Bibel in gerechter Sprache gehört in diese Arbeit. Den WGT, den ich bereits erwähnt habe, die Gottesdienste zum Mirjamsonntag und zum 1. Advent, den traditionell die Frauen der FH gestalten. Dies alles bereichert die Gemeinde und bietet die Möglichkeit, aktuelle, gesellschafts- und frauenpolitische Themen in die Gemeinde zu tragen. Bei all dieser gesellschaftlichen Verantwortung, die FH vor Ort und in der ganzen Kirche übernimmt, die ja immerhin ein wichtiger Aspekt der Bildungsarbeit ist, schmerzt es, wenn die Gruppen oft nur als „Kaffeetrinkender Frauenclub“ abgewertet werden. Von Menschen, leider auch von Frauen, die die wirklichen Ziele der EFHiR nicht kennen, im Grunde nicht einmal bereit sind zu hinterfragen. Aber zum Glück haben wir die anderen, die die sich all den Herausforderungen stellen und wirklich etwas bewegen, gemeinsam, für und miteinander.


Warum erzähle ich Ihnen das alles? Es geht doch um die Frage, wie die Kirche und Religion, wie Frauen auf die so schwierigen Notstände dieser Welt reagieren können. Und ich finde auch heute noch die gleiche Idee überzeugend, wie sie vor über hundert Jahren in der Frauenhilfe geboren wurde und bis heute fortwirkt: Gemeinsam miteinander und für einander arbeiten! Es ist meine Überzeugung, dass dies der Weg ist, auf dem Frauen ein Stück Welt verändern können. Es geht ja darum, die Hoffnung nicht zu verlieren und zu resignieren. Hoffnung nährt sich aus dem Tun und nicht aus dem Lamentieren über die Zustände der Welt. Wenn wir doch sehen, dass es gelingt, was wir im Kleinen tun oder verändern, lässt es sich leicht vorstellen, das wir mit der Menge all dieser Menschen in Solidarität und im Verband auch große Dinge bewegen können. Und dann sind wir im Begriff, dem Unfrieden, der Verzweiflung, der Not und der Hoffnungslosigkeit dieser Welt eine starke Bewegung entgegensetzen zu können. Wir werden nicht aufhören, an die Gerechtigkeit für alle zu glauben und bleiben bei unserem Tun. Dazu helfe uns Gottes Segen!


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld.


Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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