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Tischreden und Lesekost

Claudia Takla Zehrfeld - Abteilungsleitung Stadt- und Landschaftsplanung der Stadt Flensburg

Flensburger Frauenmahl am 30. Oktober 2014


Redebeitrag von Claudia Takla Zehrfeld, Abteilungsleitung Stadt- und Landschaftsplanung der Stadt Flensburg


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, dieses Frauenmahl heute mit Ihnen erleben zu dürfen. Herzlichen Dank nicht nur für Ihre Einladung, sondern auch für das, was diese Einladung bei mir ausgelöst hat.
„Hier stehe ich“ – ein guter Ort zum Leben.
Vor 38 Jahren stand ich in Belo Horizonte, Brasilien als Schülerin vor einer Jugendgruppe mit ca. 80 Jugendlichen und hielt eine Rede zum Thema: Wer bin ich? Wo gehe ich hin? Es ging um Wertvorstellungen, Eigenverantwortung, Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen und unserem Umfeld, um die Gestaltung des eigenen Lebens, um Selbstbestimmung. Die letzte Woche war für mich ein Rückblick über die letzten 38 Jahre.
Wer bin ich geworden? Wo bin ich gewesen, in Brasilien, in Deutschland? In wie vielen guten Orten habe ich gelebt? Warum sind sie gute Orte gewesen oder geworden?
• in diesen Orten habe ich meine Familie oder ich habe eine neue Familie gegründet. Die Familie ist die Zelle einer Gesellschaft, eines Ortes. Hier lernen wir Teilen, Verantwortung gegenüber anderen zu übernehmen, lieben und geliebt zu werden.
• In diesen Orten habe ich Freundinnen und Freunde. Mit ihnen lernte ich Vertrauen,
Zuverlässigkeit, Toleranz gegenüber anderen Meinungen zu entwickeln.
• In diesen Orten habe ich eine Arbeit. Ich kann meinem gewählten Beruf nachgehen. Ich leiste einen Beitrag zur Gesellschaft.
• In diesen Orten herrscht Meinungsfreiheit. Ich werde gehört, verstanden, akzeptiert und kann mich frei bewegen. Ich fühle mich als Teil dieser Orte.
• In diesen Orten kann ich mich engagieren, Menschen helfen, Ideen einbringen und
umsetzen.
Alle diese Orte sind meine Heimat geworden.
Mir ist jedoch klar, dass ich für mich erst einen guten Ort zum Leben schaffen muss. Ich muss mich integrieren und für meinen Ort engagieren.
Und heute stehe ich hier, in Flensburg, ein guter Ort zum Leben. Seit drei Jahren lebe ich mit meinem Mann aufgrund meiner neuen Arbeitsstelle in Flensburg. Langsam baue ich meinen Freundeskreis auf. Und durch meine Arbeit als Leiterin der Abteilung Stadt- und Landschaftsplanung habe ich das Glück, zusammen mit meinen engagierten Kolleginnen und Kollegen diese wunderschöne Stadt mitzugestalten.
Welchen Beitrag kann ich dazu leisten, damit die Flensburgerinnen und Flensburger einen guten Ort zum Leben haben und behalten?
Ich lasse mich davon leiten, immer alle Menschen dieser Stadt im Auge zu behalten, trotz aller Zwänge des Tagesgeschäftes. Mein Leitbild ist eine Stadt für alle zu planen: Eine Stadt, die Platz bietet:
• für Kinder zum Austoben,
• für Jugendliche zum Spielen und um Freunde zu treffen,
• für Väter und Mütter, um mit ihren Kindern im Grünen spazieren zu gehen,
• für bedürftige Menschen, um preisgünstig zu wohnen,
• für ältere Menschen, um sich in den Geschäften in ihrer Nachbarschaft selbst
versorgen und Kontakte pflegen zu können,
• für Menschen mit Migrationshintergrund, um hier zu arbeiten und sich mit ihrem
kulturellen Hintergrund als anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu fühlen.
Das heißt, eine Stadt, die den Bedürfnissen aller Menschen entspricht.
Weiterhin heißt das für mich, den Menschen den Zugang zu Informationen zu erleichtern und den Dialog zwischen Verwaltung, Politik und den Flensburgerinnen und Flensburgern zu fördern, um gemeinsam Perspektiven zu erarbeiten. Informationen sind der Schlüssel zur Mitwirkung in der Gesellschaft.
Dabei versuche ich, neue Formen der Bürgerbeteiligung auszuprobieren, um mehr
Flensburgerinnen und Flensburger für die Planung ihrer Stadt zu interessieren und ihre aktive Mitwirkung an der Entwicklung ihrer Stadt zu fördern. Für mich sind alle Beteiligten Experten, nicht nur Fachleute, Investoren und die Politik, sondern auch die Menschen, die hier wohnen, arbeiten und leben. Dabei gilt es andere Meinungen zu respektieren und aufgrund sachlicher Abwägungen gemeinsam Kompromisslösungen zu erzielen.
Meine Damen und Herren, dieses sind keine leichten Aufgaben.
Ein guter Ort zum Leben ist das Zusammenspiel von Menschen und Räumen. Dabei trägt jeder von uns ein Stück Verantwortung. Von uns allen wird Kompromissbereitschaft, Toleranz und Einsatzwillen verlangt.
Daher mein Appell an uns alle:
• Lasst uns gemeinsam Flensburg weiterhin zu einem guten Ort zum Leben
entwickeln!
• Äußern wir unsere Meinung zu den Fragen, die unsere Stadt bewegen!
• Tolerieren wir andere Meinungen!
• Helfen wir Menschen, die Hilfe brauchen!
• Nehmen wir die wachsende Vielfalt unserer Gesellschaft als die beste Ressource für
eine friedvolle Zukunft an!


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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