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Katrin Althans: Fülle der Erwartungen

Marburger Frauenmahl:


Das Marburger Frauenmahl war ein Erlebnis der Vielfalt und Fülle: Vielfalt und Fülle der Themen, Stimmen und Anregungen in den Statements der Rednerinnen am Pult– wie in den Tischgesellschaften. Vielfalt und Fülle des guten Essens, der sinnlichen Eindrücke, Gerüche und Farben. Und nicht zuletzt eine Fülle der Symbolik: ein Frauenmahl – im Kurfürstensaal des Marburger Schlosses – am Vorabend des Reformationstages – im Zuge der Lutherdekade zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums. Und verbunden damit letztlich eine Fülle der Erwartungen.


So kam mir der durch und durch beeindruckende und hervorragend organisierte Abend mitunter vor wie eine Hochzeitsfeier, die so durchchoreografiert und angefüllt ist mit Darbietungen und Highlights, dass man nicht dazu kommt mit den Gästen zu plaudern. Das war insofern schade, als dass dies doch eine der vielen guten Ideen des Frauenmahl war: die thematischen Impulse aus den Statements an den Tischen aufzugreifen und dort ins Gespräch zu kommen. Mit dieser Absicht fühlte ich mich etwas überfrachtet von der Fülle der Anregungen einerseits – und der Vielfalt der Teilnehmerinnen andererseits. Hier zu einem gemeinsamen Gesprächsfaden zu kommen, mit Frauen aus den Gemeinden und Dörfern in und um Marburg wie auch mit Theologinnen, Journalistinnen oder Politikerinnen in leitenden Positionen, wäre schon ein abendfüllendes Thema gewesen. Ein Thema im Sinne der Übersetzungsarbeit, die Elke Eisenschmidt sehr plastisch als eine zentrale Herausforderung bezeichnet hat. Ihr Beitrag ist mir deshalb auch am meisten im Gedächtnis geblieben. Es ist in der Tat ein – immer noch – spannendes Thema, das hier zum Tragen kommt: Wie gelingt die Verständigung und die Kooperation von Frauen in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit untereinander? Und wie lassen sich die (gemeinsamen) Anliegen wirksam zu Gehör bringen?


Hier changierte das Konzept des Abends vielleicht auch zwischen den Zielen, einerseits eine markante, qua Datum, Ort und Rednerinnen repräsentative Veranstaltung zu bieten und zugleich auch einen vielfältigen, lebendigen Diskurs zu starten. Was dem einen Aspekt gut zu Gesicht stand – die namhaften Frauen unterschiedlichster Profession am Rednerinnenpult, der historische Ort, die vielen Themen, die zur Sprache kamen – war dem anderen nicht unbedingt zuträglich. Um am Abend selber ein Gespräch zu initiieren, wäre eine Eingrenzung der Themenfülle oder auch schon der Anzahl der Statements ratsam. Um mit dem Frauenmahl in die Öffentlichkeit hinein zu sprechen wiederum, sind prominente Stimmen von Vorteil.


Der Fortsetzung der begonnenen Gespräche – möglicherweise in einer sich wandelnden Form – steht aber gar nichts im Wege, im Gegenteil: Das ist die erklärte Absicht der Initiatorinnen des Frauenmahls, die das Gespräch zum Leitprinzip erhoben haben.


Kathrin Althans

Journalistin/ Theologin


Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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