zum Inhalt

Barbara Bauer: Grußwort der Kirchenleitung zum Durchlacher Frauenmahl

Sehr geehrte Damen! Liebe Frauen aus der Region Karlsruhe!


Es ist mir eine große Freude, Sie hier in der Karlsburg in Durlach willkommen zu

heißen und das Grußwort der Kirchenleitung der Evangelischen Landeskirche in

Baden an Sie zu richten. Einen Saal voller Frauen mit Verantwortung in Beruf und

Gesellschaft – das erlebt frau nicht alle Tage!

Heute sind Sie, sind wir, hier zusammengekommen, um gemeinsam zu essen und uns

dabei Gedanken über die Zukunft von Religion, Kirche und Gesellschaft zu machen.

In Aufnahme der alten protestantischen Kultur des Erkenntnisgewinns über das Wort

haben sich einige auf Tischreden vorbereitet und andere sich auf das Zuhören und

weiterdenken eingestellt. Ich bin gespannt, was dieses Setting am Ende mit uns

gemacht haben wird!

Frauenmahle veranstalten – das ist eine Idee des Frauenstudien- und -bildungszentrums der EKD.

Angeregt von den bekannten Tischreden im Hause Katharina von Boras und ihres

Ehemannes Martin Luther sind die Frauenmahle eine Etappe. Eine Etappe auf dem

Weg, Grundgedanken der Reformation bis zum 500jährigen Jubiläum des Beginns

dieser grundlegenden Veränderung der mittelalterlichen Welt auf ihre Aktualität hin

zu prüfen und für unser heutiges Gemeinwesen wirksam werden zu lassen.

Grundgedanken der Reformation – das ist nicht, wie vielleicht manche spontane

Assoziation eingibt, antikirchlicher oder gar antikatholischer Aufruhr. Das ist

vielmehr die Entdeckung und Verteidigung der Freiheit des Gewissens jedes

einzelnen Menschen. Mündige Gläubige sollten ihre Bibel selbst lesen und

interpretieren können. Daher die Notwendigkeit, die Bibel überhaupt erst einmal in

die deutsche Sprache zu übersetzen und damit den Diskurs darüber zu ermöglichen.

Es hat einige Jahrhunderte und etliche Religionskriege gedauert, bis sich hieraus eine

Art säkularer Reformation der Kirchen selbst entwickelt hat:

die Anerkennung der Pluralität als Wesensmerkmal der modernen Welt.

Eigentlich war uns das ja schon in unsere Wiege gelegt: Mit den vier Evangelisten

Matthäus, Markus, Lukas und Johannes hätten wir es schon früher lernen können, daß

dieselbe Botschaft, das Evangelium, aus unterschiedlichen Blickwinkeln

unterschiedliche Gestalt annimmt.

Heute erhebt die evangelische Kirche keinen exklusiven Wahrheits- und

Weltdeutungsanspruch mehr – aber sie will auch nicht verschweigen, daß der 2000

Jahre alte Erfahrungsschatz der Christinnen und Christen Antworten zu den uralten

Fragen der Menschheit bereit hält, die auch heute noch tragen.

In diesem Sinne ist ein Frauenmahl eine wunderbare Gelegenheit zum freien

Austausch über Fragen, die unser aller Zukunft betreffen aus möglichst vielen

Perspektiven. Welche Themen anstehen, in Religion, Kirche und Gesellschaft,

darüber mag es im Einzelnen unterschiedliche Sichtweisen geben. Und sicher

unterscheiden wir uns in den Handlungsoptionen, die wir jeweils entwickeln. Aber

um die großen Aufgaben der Gestaltung einer demographischen Veränderung in

Deutschland, einer politischen Veränderung in Europa und einer weltweiten

Klimaveränderung kommt wohl keine herum, die über Zukunft nachdenkt.

Ich danke den Initiatorinnen und allen Gestalterinnen dieses Abends, daß sie diese

schöne Gelegenheit zum Austausch bieten. Die badische Kirchenleitung kann sich

glücklich schätzen über Ihre kreative Zukunftsgewandtheit!

Ich wünsche uns einen rundum schönen Abend mit vielen ertragreiche Begegnungen.

Mögen die Wellen einiger Steinchen, die heute Abend ins Wasser geworfen werden,

uns an anderen Stellen wieder begegnen!



Barbara Bauer, Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche in Baden

Grußwort der Kirchenleitung zum Durlacher Frauenmahl am 24.06.2012

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

www.frauenmahl.de benutzt Piwik, eine Open-Source-Software zur statistischen Auswertung der Besucherzugriffe. Mehr dazu.