zum Inhalt

Heidemarie Wieczorek-Zeul: Grußwort zum Marburger Frauenmahl

Im Engagement für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung habe ich die Kirchen, zumal auch die evangelischen Kirchen, als wichtigen globalen Partner erlebt. Brot für die Welt war für mich immer ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner und leistet engagierte Arbeit. Arbeit, die für viele Menschen in Not wichtig, ja sogar überlebenswichtig ist. Die evangelischen Kirchen und ihre Organisationen sind engagierte Partner im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Armut in der ganzen Welt. Gemeinsam haben wir die Entschuldungsinitiative für hochverschuldete Entwicklungsländer im Jahre 1999 verwirklicht. Gemeinsam engagieren wir uns für die Millenniumsentwicklungsziele. Gemeinsam engagieren wir uns für die starke Rolle von Frauen.


Es bleiben große Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen müssen und die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise eine neue Dimension gewonnen haben. Denn sie beschränkt sich nicht auf bestimmte Regionen oder Länder. Als ehemalige Entwicklungsministerin weiß ich, wie wichtig es ist, die Menschen bei allen Aktivitäten in den Mittelpunkt zu stellen. Sie gilt es zu schützen, zu stärken und ihre Würde zu respektieren.


Bei all dem Ringen um eine neue Finanz- und Wirtschaftsordnung, bei all den Bemühungen eine Wiederholung dieser Krise zu vermeiden, muss es daher unsere vordringlichste Aufgabe sein, den Menschen Vorrang vor dem Kapital zu geben. Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise müssen demnach ökologische Herausforderungen und die Bekämpfung der weltweiten Armut einbeziehen. Es braucht eine globale Rahmenordnung, die die Verbesserung der Situation ihrer ärmsten und schwächsten Mitglieder zum Ziel hat und ein Finanzsystem, das sich in den Dienst dieser Aufgabe stellt. Daher wiederhole ich meine Forderung, die ich schon seit langem stelle und die jetzt endlich Gehör gefunden hat: Wir brauchen eine Finanztransaktionssteuer auf börsliche und außerbörsliche Finanztransfers. Entscheidend ist dabei vor allem, dass Einnahmen aus dieser Steuer den Menschen zu Gute kommen.

Wenn die internationale Gemeinschaft 2008/2009 11,4 Billionen US-Dollar zur Stabilisierung des Finanzsektors mobilisiert hat, so muss sie schließlich auch die weit geringeren Mittel mobilisieren können zur Überwindung von Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit und Klimawandel.


Wir erleben in diesem Jahr dramatische Veränderungen in einer Reihe von arabischen Ländern. Zusammen mit den Kirchen stehen wir dafür ein, Waffen- und Rüstungsexporte in diese Länder zu verhindern. Die Jugendlichen dieser Länder brauchen Arbeit und Zukunftsperspektiven. Zusammen mit den Kirchen stehen wir dafür ein, dass die Religionsfreiheit als elementares Menschenrecht gewährleistet wird.


Und gemeinsam müssen wir dafür einstehen, dass die Frauen, die in den arabischen Revolutionen eine so wichtige Rolle gespielt haben, nicht wieder an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sondern sie gleich, frei und unabhängig ihr eigenes Leben und das in ihren Ländern gestalten können.


Herzlichst

Ihre Heidemarie Wieczorek-Zeul




Grußwort von Heidemarie Wieczorek-Zeul -

MdB und Bundesministerin a.D. -

zum Marburger Frauenmahl am 30.10.2011

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

www.frauenmahl.de benutzt Piwik, eine Open-Source-Software zur statistischen Auswertung der Besucherzugriffe. Mehr dazu.