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Simone Kluge: Vielfalt und Fülle

Erstes Frauenmahl der EKM in Kloster Drübeck:


Die ehemalige Klosterscheune ist festlich geschmückt, Kandelaber stehen auf den Tischen, im
Eingangsbereich heißt die Äbtissin Katharina von Stolberg alias Hella Meyer die
eintreffenden Gäste herzlich willkommen. Ein mehrgängiges Menü, mittelalterliche Musik
und Tischreden von Frauen für Frauen erwarten die Gäste. Das, was sich wie ein Rittermahl
anhört, ist in Wahrheit eine Initiative, die im Vorfeld des 500-jährigen Jubiläums der
Reformation entstanden ist vor dem Hintergrund, dass die Stimmen von Frauen im Rahmen
der Reformationsdekade bisher wenig Gewicht haben. Dies sollte sich ändern und dies hat
sich geändert, seitdem Frauen im vergangenen Jahr das erste Frauenmahl in Marburg feierten,
einem Ort, an dem 1529 Huldreych Zwingli und Martin Luther über das evangelische
Verständnis des Abendmahles diskutierten.


Nicht minder bedeutsam ist der Ort, den die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland sich
für ihr erstes Frauenmahl auswählten, ein Ort, in dem Frauen Geschichte geschrieben haben
und in dem die Äbtissin Katharina von Stolberg intensiven Anteil am Geschehen der
Reformation nahm. Wie sie in das Kloster kam und wie sie, die Zeit ihres Lebens katholisch
geblieben ist, diese unruhige und spannende Zeit erlebte, das erzählt die Äbtissin in ihrer
Begrüßungsrede und stimmt so in das Thema ein, das die Frauen an diesem Abend, aber auch
bei der gesamten Frauenversammlung begleiten wird, in dessen Rahmen das Frauenmahl
stattfindet.


Eine Bärlauchcremesuppe wird gereicht, bevor die zweite Festrednerin nach vorne vor die
Naturstein belassene Mauer des Adelbrinsaales tritt. Dr. Sabine Kramer räumt auf mit den
Vorurteilen, die hartnäckig an der Geschichtsschreibung der Reformation haften. Sie räumt
auf. Und sie räumt ein, wie schwierig es ist, Frauengeschichtsforschung zu betreiben, wo
doch die Quellenlage dürftig ist und Beiträge von Frauen nicht selten ihren Männern in den
Mund gelegt wurden. Und doch ist sie, die über „Katharina von Bora in den schriftlichen
Zeugnissen ihrer Zeit“ 2011 promovierte, fündig geworden auf ihrer Forschungsreise durch
die Archive und bringt zahlreiche Frauennamen ins Gespräch, deren Geschichten die Frauen
in ihren Bann ziehen.


Ganz anders die Festrede, die auf den Wildkräutersalat mit Kartoffeldressing folgt. Die
Kunsthistorikerin Jutta Jahn ist eine der Patinnen für die die Ausstellung „Frauen der
Reformation in der Region“, die am 31. Oktober in der Marktkirche zu Halle eröffnet werden
wird. Als Patin hat sie sich mit einer der zwölf historischen Frauengestalten der Ausstellung
beschäftigt, mit Felicitas von Selmnitz. In ihrem Vortrag berichtet Jahn vom Prozess der
Annäherung an diese „Statthalterin“ der Reformation in Halle.


Das gedünstete Gemüse an Ofenkartoffeln mit Kräuterquark läutete die dritte Festrede ein, in
der Lisbeth Malmstrom aus Schweden nicht nur die Grüße der Bischöfin aus der Diözese
Lund überbrachte, sondern auch von dem Stand der Reformationsvorbereitungen berichtete.
Sie machte deutlich, wie eng die Zusammenarbeit mit der Partnerfrauenarbeit in
Mitteldeutschland ist. Die Frauenarbeit in der Partnerdiözese plant eine Ausstellung zur
Reformation nach dem Vorbild aus Deutschland, zu deren Eröffnung sie herzlich einlud.


Mit einer Dinkelgrießspeise an Erdbeermus und Danksagungen ging dieses erste Frauenmahl
in der mitteldeutschen Kirche zu Ende und bildete doch gleichsam den Auftakt zur
diesjährigen Frauenversammlung, zu der circa 50 Frauen aus dem gesamten Gebiet der
Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands angereist waren. Neben den Delegierten und den
Beauftragten für Frauenarbeit in den Kirchenkreisen waren auch Gäste herzlich willkommen.


Simone Kluge, Ev. Frauen in Mitteldeutschland

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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