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Elisabeth Müller: Begrüßung zum Essener Frauenmahl

Essener Frauenmahl:


Im Namen des Frauenbeirats im Kirchenkreis Essen heiße ich Sie herzlich willkommen zum Essener Frauenmahl!

Schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt und heute hier sind!


Die Idee der Frauenmahle haben wir hier in Essen nicht erfunden.                     

Sie ist entstanden im Rahmen der Vorbereitungen auf das große Reformationsfest 2017:

Dann feiern wir 500 Jahre Reformation in Deutschland.

Und das heißt auch: 500 Jahre Evangelische Kirche in Deutschland.

500 Jahre wechselhafter Geschichte, 500 Jahre mit allem, was zu gelebtem Leben dazu gehört:

Ganz viel Alltag natürlich, dann die Sternstunden und Höhepunkte, aber auch Momente der Schande und des Verrats, dann wieder des mutigen Standhaltens, und schließlich der großen Ideen – und des Lernens. 

Und das ist sicher eine Besonderheit dieser Geschichte von 500 Jahren Reformation in Deutschland:

Unsere evangelische Kirche ist eine lernende Kirche. Die Reformation geht weiter, das war schon vor 500 Jahren klar. Alle Entscheidungen und Grundsätze müssen immer wieder neu überdacht und eben auch verändert werden.

Das passiert nicht einfach so. Eine große gesellschaftliche Institution wie die Kirche tut sich mit dem Lernen nicht leicht.                                                           

Der Koloss bewegt sich nur langsam. Aber: Er bewegt sich.


Einer der wichtigsten Punkte des Lernens war für die Kirche die sogenannte Frauenfrage. Auch hier fiel das Lernen schwer - und wurde auch immer wieder verweigert.

Dieser Lernprozess in unserer Kirche war ein langes und zähes Ringen. Wir sind heute nicht am Ziel, aber wir sind ziemlich weit, und die Gender- Fragen, über die wir heute in der Evangelischen Kirche debattieren, sind im Verhältnis zu denen der Vergangenheit ziemlich harmlos.

Der entscheidende Wendepunkt ist meines Erachtens die Frauenordination gewesen: Vor 40 Jahren war sie in der Evangelischen Kirche in Deutschland weitgehend durchgesetzt. Das war ein entscheidender Schritt. Es geht bei der Frauenordination um Macht – aber auch um die Frage, wer das Göttliche repräsentiert. Und seit 40 Jahren repräsentieren Frauen nun in der evangelischen Kirche das Göttliche. Heute ist unsere Kirche ohne Pfarrerinnen nicht mehr denkbar, und so langsam auch nicht mehr ohne Bischöfinnen und Superintendentinnen.

Wie gesagt, das war ein weiter Weg, und die Triebkraft – das waren die Frauen selbst. Denn alles, was erreicht wurde, das haben die Frauen in der Kirche erkämpft. Das Lernen wurde nicht geschenkt – es geschah, weil die Frauen keine Ruhe gaben.


Und so sind 500 Jahre Reformation in Deutschland auch ein Anlass, diese Leistung zu würdigen.

Wenn wir heute zurückblicken auf die Zeit Luthers, auf all die Legenden um sein Wirken – und wenn wir an die vielen Bilder denken, die ihn zeigen, am großen Tisch seines Hauses in Wittenberg, umgeben von ihn verehrenden Studenten und Weggenossen, die jedes Wort mitschreiben, das von seinen Lippen kommt – zu Papier gebracht in den berühmten Tischreden – dann müssen wir sagen: Ein gutes und erfolgreichen Format, diese Tischreden.

Nur eine kleine Änderung hat sich ergeben: Die Frauen sitzen mit am Tisch, und sie sagen auch was!  

                                                         

Und deshalb gibt es zum Reformationsjubiläum Frauenmahle.

Dass es nur Frauen sind, ist vielleicht ein kleiner Ausgleich für all die Mahle, bei denen sie ausgeschlossen waren und sind – denn das sollten wir heute Abend auch zumindest mit bedenken: Wie viele Frauen weltweit noch immer von den Tischen und von der Öffentlichkeit ausgeschlossen sind!

Zu einem Festmahl gehört neben den Festreden natürlich gutes Essen. Das serviert uns das Team der Evangelischen Studierendengemeinde – und dafür bedanke ich mich jetzt schon ganz herzlich!

Und natürlich gehört auch die Musik dazu – sie hören heute das Programm „Von Frau zu Frau“! Karin Velinova singt Lieder, die von berühmten Sängerinnen interpretiert wurden, aber auch Lieder von Komponistinnen, die es zu ihrer Zeit schwer hatten: Fanny Hensel und Clara Schumann.

Denn nicht nur in der Theologie waren die Frauen ausgeschlossen, auch in der Musik war das so – jedenfalls, wenn es ums Komponieren ging!

Zu diesem Programm „Von Frau zu Frau“ gehört am Klavier Annette Kareev. Sie ist leider krank, und daher ist heute ihr Mann hier, um sie vertreten. Herzlichen Dank, Herr Kareev, dass Sie heute hier sind – als einziger Mann unter 90 Frauen!


Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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