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Tatjana Rack: Sich mal ganz woanders hinsetzen

Durlacher Frauenmahl:


Erstes badisches Frauenmahl in Durlach zeigt sich zukunftsweisend

Tischreden setzten Impulse zur Zukunft von Frauen in Religion, Kirche und Gesellschaft


Das erste Frauenmahl in Baden, organisiert und durchgeführt von den Evangelischen Frauen in Baden und der Stadtkirchen-Gemeinde Durlach, fügt sich ein in die Reihe der Frauenmahle, die seit Oktober 2011 in verschiedenen Landeskirchen in Deutschland stattfinden. Die in Marburg aufgenommene Praxis Luthers, in Tischreden Theologie und Alltag zusammen zu bringen und den demokratischen Diskurs zwischen Frauen zu ermöglichen und zu stärken, ist die Grundidee der Professorin für Praktische Theologie der Universität Marburg Ulrike Wagner-Rau. Begeistert von diesem Konzept organisierten Frau Annegret Brauch, Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Baden und Frau Ulrike Bundschuh, Pfarrerin der Stadtkirchengemeinde Durlach einen eindrücklichen und sehr gelungenen Abend in dem historischen Festsaal der Karlsburg. Die Resonanz  auf die Einladung zum ersten Frauenmahl in Baden war überwältigend und so konnten 140 interessierte und diskussionsfreudige Frauen aus ganz unterschiedlichen Kontexten und Lebenssituationen an diesem Abend mit einem Grußwort der Oberkirchenrätin Frau Barbara Bauer begrüßt werden.


Die Grundfragestellung des Abends, „welche Akzente setzen pointierte Tischreden von Frauen aus ganz unterschiedlichen Kontexten, welche Impulse setzen Frauen für die Zukunft in einer Zeit, die durch Umbrüche und Krisen gekennzeichnet ist?“, wurde auf unterschiedliche Art und Weise beantwortet. Der Tenor, der sich wie ein roter Faden durch alle Tischreden der neun eingeladenen Impulsgeberinnen zog, war eindeutig: Führung in Unternehmen, seien es Bildungseinrichtungen, Verwaltungen oder Wirtschaftsunternehmen, sollen keine Männerdomäne sein und bleiben. Wenn auch der Anspruch auf höhere Bildung und Chancengleichheit für Frauen historisch gesehen noch verhältnismäßig jung ist, wie die erste Rednerin Frau Prof. Dr. Sabine Liebig der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe anführte, so ist er doch unbedingt einzufordern und weiter auszubauen. Die Vizepräsidentin des KIT, Frau Dr. Luise Barnstedt ging in ihren Überlegungen noch einen Schritt weiter, indem sie anführte, dass es auch Frauensache sei, andere Frauen bei gleicher Eignung ein zustellen und dass Frauen ihren Mann nicht nur beruflich stehen müssen, sondern diese Haltung auch in der Beziehung/Ehe  zum Tragen kommen müsse. So verändere sich die eigene, aber auch die männliche Grundhaltung, wodurch ein Umdenken personalpolitisch erst möglich werde. „Überwinden Sie das Fremde in sich selbst, dann überwinden Sie auch die Angst vor Fremden“, gab Ruth Rürup-Braun zu bedenken und dieser Impuls sorgte dafür, dass die Unternehmensberaterin Irene Reifenhäuser spontan ihre vorbereitete Rede zur Seite legte. „Sie sehen meine Damen, auch ich habe eine Rede vorbereitet, aber ich habe keine Lust. Ich gehe lieber auf das ein, was meine Vorrednerinnen gesagt haben!“ In ihrer täglichen Arbeit stelle sie unter anderem immer wieder fest, dass Frauen von Natur aus anders und sogar besser mit Fehlern und Krisen umgehen könnten. Eine Krise, so Reifenhäuser, sei schließlich nichts anderes als eine Angstreaktion auf eine neue, unbekannte Situation. Frauen, insbesondere Mütter können sich schneller und gelassener in diese einfinden und sie bewältigen. Sie stelle auch immer wieder fest, dass christliche Werte erfolgreiche Unternehmenswerte sind. Um den geladenen Gästen klar zu machen, wie wichtig die Überwindung von Angst vor dem Fremden, auch in uns selbst, ist, bat Frau Reifenhäuser alle Damen aufzustehen. „Nun nehmen Sie ihr Weinglas, Ihr Besteck und was Ihnen noch wichtig ist und setzten sich einfach mal woanders hin. Viel Spaß!“


So unterschiedlich die Reden, die in drei Blöcken zwischen den Gängen des vegetarischen Menüs, gehalten wurden, so unterschiedlich waren trotz aller Einigkeit letztlich die Impulse, die sich aus diesen Überlegungen ergaben. Besonders hervorzuheben ist hierbei sicherlich die Tischrede von Frau Adela Kazija. Frau Kazija beeindruckte nicht nur durch die Tatsache, dass die seit 17 Monaten in Deutschland lebende Islamgelehrte in nahezu fehlerfreiem Deutsch ihre Rede hielt. Die Hafiza, was übersetzt Gedächtnis/Erinnerung bedeutet, singt den Koran auswendig und so erhob sich ihre Stimme, als sie aus dem Koran zitierte, um uns allen ins Bewusstsein zu rufen, dass Juden, Christen und  Muslime einen Gott und eine Wurzel haben. Sie sprach auch über die Situation der Frauen im Islam und bat um einen differenzierteren Blick. Nicht alle Frauen, die ein Kopftuch tragen, seien zwangsläufig unterdrückt, merkte sie an und bat weiter darum, sich bewusst zu machen, wie wichtig der interkulturelle Dialog und die Partizipation aller Glaubensgemeinschaften sei, um ein zukünftiges friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Daran müssten wir Frauen besonders zusammen arbeiten.

Möglichkeiten, Partizipation, Solidarität, Kreativität, Mut, Stärke, Visionen und der gemeinsame Glaube sind die Schlagworte des Abends, der sowohl künstlerisch von Frau Teipelke, als auch musikalisch durch Asgard&Akkordeon wunderbar gestaltet war und Lust auf mehr badische Frauenmahle macht.




Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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