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Antje Schrupp: Mehr Konflikte, bitte!

Marburger Frauenmahl:


Mehr Konflikte, bitte!

Sensationelles Essen, tolle Frauen, geschichtsträchtiges Ambiente – ich glaube, wir waren alle ein bisschen stolz darauf, beim Marburger Frauenmahl dabei zu sein. Das Format ist ausbaufähig: Wo sonst kann man besser miteinander ins Gespräch kommen als beim gemeinsamen Essen!

Allerdings gaben die „Tischreden“ dafür nicht viel her, dazu waren sie viel zu brav und voller Allgemeinplätze. Natürlich sagten die geladenen Rednerinnen nichts Falsches. Aber genau das war das Problem: Sie lieferten auch keinerlei Diskussionsstoff.

Vielleicht lag es daran, dass sie jeweils für eine bestimmte Gruppe sprachen: Auslandsgemeinden, Katholische Kirche, Musliminnen, Politik… Es waren eher Grußworte. Eine mögliche Aufgabenstellung für künftige Tischreden könnte sein: Verteidigen Sie eine kirchenpolitische These, von der Sie glauben, dass die Mehrheit im Publikum sie nicht teilt (und das wird nach der Rede per Handzeichen überprüft). So könnte man vermeiden, dass die Frauenmahle nur ein nettes Get-Together sind, bei dem es aber eigentlich nichts Neues zu hören gibt.

Am Tisch diskutierten wir über unsere eigenen Themen. Wir stellten uns unsere Arbeitsgebiete vor, da war viel Interessantes dabei. Wir diskutierten auch darüber, was uns an der Kirche nicht gefällt – etwa der halbherzige Umgang mit der Bibel in gerechter Sprache. Die müsste viel lauter als Erfolgsgeschichte gefeiert werden.

Ein anderes Thema, das uns beschäftigte, war der Ort. Ist es eigentlich gut, wenn wir in Schlössern zusammenkommen? Das Ambiente „Schloss“ färbte auf uns und auf die Veranstaltung ab. Vielleicht hat auch diese „Herrschaftlichkeit“ dazu beigetragen, dass die Tischreden so zahm ausfielen. Beim nächsten Mal müsste man das durch irgendeine Art dissidenter Intervention brechen. Gerne hätten wir auch mit den Theologiestudentinnen diskutiert, anstatt uns von ihnen nur das Essen bringen zu lassen. Denn die Altersstruktur der Tischgäste war doch eher homogen.

So schön das Frauenmahl also war – und es war wirklich schön! – so blieb doch bei mir am Ende der Wunsch nach mehr Konfliktstoff und inhaltlichem Tiefgang.

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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