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Annette von Stritzky: Geist und Gaumen

Marburger Frauenmahl:


Inspirierend – für Geist und Gaumen

Die Vorbereitungsgruppe hat die Idee, ein Frauenmahl zu veranstalten und 150 Frauen aus Kirche und Gesellschaft, jung und alt, kirchlich beheimatet oder auch nicht, kommen am Abend vor dem Reformationstag ins Landgrafenschloss nach Marburg. Aktuelle Tischreden, delikates Essen, animierende Tischnachbarinnen – ein Genuss. Und dann auch noch alles künstlerisch gestaltet und verfeinert.


Mir ist nachgegangen ein Satz von Elisabeth Raiser: Sie sagte so ungefähr: Mit dem Ehrenamt gebe ich Themen oder Menschen die Ehre. Für sie als Vorsitzende von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste geht es auch darum, die Ehre der Deutschen durch vorwiegend ehrenamtliches Engagement im Ausland wieder herzustellen.


Durch mein Ehrenamt Anderen die Ehre geben. Das weist plötzlich in eine andere Richtung, von mir weg nach außen. Meist fragen wir, wo bleibt die Ehre und meinen damit, wer wertschätzt mich in meinem Engagement? Werde ich gesehen? Diese Frage ist berechtigt. Sie gilt für alle Arbeit, ob haupt- oder ehrenamtlich. Allenthalben gibt es in der Tat viel tun, um eine Kultur der Wertschätzung zu leben. Aber dieses „Was bekomme ich?“„Wo bleibt die Ehre?“ deutet auch immer darauf hin, dass wir fast unser ganzes Leben unter Marktaspekten sehen. Was gebe ich, was bekomme ich? Neo-liberale Ideen haben in uns meist tiefere Spuren hinterlassen, als uns bewusst ist. Die Äußerung von Elisabeth Raiser weist in eine ganz andere Richtung, das hat mich hellhörig gemacht. Wir geben anderen die Ehre, Frauen, die arm sind genauso wie Frauen, mit denen im Frauenhandel wie zu Zeiten der Sklaverei umgegangen wird. Wir bauen als Frauen an einer frauengemäßen Gesellschaft und Kirche mit und geben diesen Aufgaben die Ehre. Das gibt dem Ehrenamt (sicherlich auch dem engagierten „Hauptamt“) ein ganz anderes Fundament, eine andere Haltung.


Das ist eine Bewegung, in der ich gern mitmache, sowieso schon und noch einmal angestoßen durch das Marburger Frauenmahl.


Das Marburger Team macht Mut, überall im Land solche Frauenmahle zu gestalten, gibt im Internet Tipps und Hinweise, was beachtet werden muss – für Multiplikatorinnen zum Nachahmen. So wird eine tolle Idee zur Marke. Bis zum Reformationsjubiläum 2017 wird es noch viele derartige Frauenmahle geben, auch bei uns in Nordelbien bzw. in einer zukünftigen Nordkirche, da bin ich mir sicher. Inspirierend, diese Idee – für Geist und Gaumen, so wir uns ab und an auch noch Zeit nehmen fürs Kochen oder Bekocht-werden. 


Annette von Stritzky


Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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