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Christa Winter: Jahre des Aufbegehrens

Marburger Frauenmahl:


Das Frauenmahl in Marburg: Eine wunderbare Idee und ein schönes Event


Der Abend war vollkommen gelungen: Insgesamt waren wir sehr beeindruckt von der Örtlichkeit, dem Essen und unseren neuen Bekanntschaften. Das Landgrafenschloss, dem historischen Ort bot uns, den vielen Interessierten und interessanten Frauen, ein schönes Ambiente.


Sehr intensiv, kompakt aber auch heiter, haben wir die Veranstaltung erlebt. Wir hatten alle das Bedürfnis uns persönlich kennen zu lernen und so wanderten die Frauen um den Tisch und nahmen verschiedene Sitzplätze ein. Wir tauschten uns über Erfahrungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über Beruf, Familie und Kinder aus. Das Kennenlernen und das Wiedersehen nahmen einen hohen Stellenwert bei uns ein.


Auch das vielseitige Essensangebot hat uns gemundet und war lehrreich und unterhaltsam zugleich, denn jeder Gang wurde besprochen und kommentiert. Das Menu wurde nach seinen Folgen für die Gesundheit beurteilt und diskutiert. Auch die aktiven Kunstaktionen boten uns Gesprächsinhalte: Die Künstlerin Gabi Erne saß mit uns am Tisch, so hatten wir die Gelegenheit, ihre wunderschönen Kunstobjekte aus den Abfallprodukten des 4-Gänge-Menüs zu besprechen.


Wir waren sehr gespannt darauf, was uns die Tischrednerinnen zu erzählen hatten. Jede Tischrednerin thematisierte ihren Schwerpunkt und regte mit interessanten Beiträgen die Geister der heiteren Runde zum Nachdenken an:

So z.B. Dr. Elisabeth Raiser von der Aktion Sühnezeichen, die von Sühne sprach, damit wieder Beziehungen zu den Ländern möglich wurden, die von Deutschland im 2. Weltkrieg okkupiert waren. Dr. Meehyung Chungs Rede beinhaltete den Aspekt der Achtsamkeit der Natur und der weltweiten Ökumene. Brigitte Lösch forderte mehr direkte Demokratie auch für die Kirche. Alexa Brum warb mit ihrem Beitrag zum Ringen um das Geschenk der Freiheit. Hamideh Mohagheghi sprach darüber, dass auch unser säkularisierter Staat Normen aus der Religion braucht und die Nächstenliebe in allen Religionen vertreten sei. Dr. Elke Eisenschmidt erläuterte die Voraussetzungen von Dialogen, die oft nicht gegeben sind, da wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Die Idee, dass z.B. eine Bankdirektorin eine Predigt halten kann, fand bei uns großen Anklang.

Großen Zuspruch erhielt auch Frau Dr. Aurica Nutt, eine Vertreterin der feministischen Theologie. Sie führte aus, dass die feministische Theologie bereit zur Verän-derung sei und Fehler eingestehe.

Signe Theill sprach von Kirche und ihrem Verhältnis zur Sexualität, die in der Generation unserer Töchter einen anderen Stellenwert einnähme. Heidemarie Wiczorek-Zeul thematisierte in ihrem Beitrag die Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Politik und verwies auf kooperative Aktionen, wie z.B. „Brot für die Welt“. An dieser Stelle gedachten wir den Frauen, die Jahr für Jahr im hohen Alter, vor allem in den Dörfern, für „Brot für die Welt“ sammeln.

Ines Pohl bezog sich in ihrer Rede auf den „Arabischen Frühling“, dem „Jahr des Aufbegehrens. Es handelt sich um eine Revolution, die in der Kirche nicht thematisiert wird. Gegen Ende ihres Beitrags stellte sie die Frage: Können/Wollen Christinnen und Christen für die Zukunft eine gestaltende Kraft sein?


Dr. Elisabeth Raiser fragte zu Beginn ihrer Tischrede: „Gibt das Frauenmahl einen neuen Aufschwung für eine Bewegung?“ Meine Antwort: Ja - ein wenig!? Neben der Geselligkeit der Essensrunde, inspirieren und motivieren die Redebeiträge für unsere weitere Arbeit. Wir alle waren von dem Abend begeistert und haben Ideen, Schwung und Motivation für neue Vorhaben bekommen. Ob uns das Frauenmahl jedoch soviel Kraft gibt, um Jahre des Aufbegehrens auch in unserem Land fortzusetzen, blieb offen, dennoch sollten wir es optimistisch sehen.


Danke von unserer Tischrunde für den gelungenen und anregenden Abend, der uns für die kommende Arbeitswoche sehr motivierte.


Christa Winter

Leiterin des Gleichberechtigungsreferates

der Universitätsstadt Marburg


Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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