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Presseinfo vom 26.6.2017 zum Frauenmahl Darmstadt-Land

„Frauen verändern die Gesellschaft“

Beim zweiten Frauenmahl des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land trafen sich in Roßdorf 50 Frauen zum Gespräch. Tischreden hielten die Landtagsabgeordnete Heike Hofmann, die Seniorenbeiratsvorsitzende Monika Hübenbecker, die Managerin Monika Lünzmann, die Trauerseelsorgerin Tabitha Oehler und die Juristin Martina Winkelmann.

Roßdorf. „Wir haben schon viel erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun“, betonte Heike Hofmann. Die SPD-Politikerin aus Gräfenhausen sprach sich an diesem Abend nicht nur für ein Familiengeld der Partner in der Elternzeit aus, sondern auch für ein Gesetz, das für Entgeltgleichheit bei Männern und Frauen sorgt. Hofmann war eine von sechs Frauen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche und Politik, die beim zweiten Frauenmahl des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Land unter dem Motto „Frauen verändern Leben!“ inhaltliche Impulse setze.
Im festlich geschmückten Saal des Elisabeth-Hauses genossen 50 Frauen einen inspirierenden Abend mit interessanten Tischreden, anregenden Gesprächen und ausgezeichnetem Essen. Die Frauen, viele Mitglied im Kirchenvorstand ihrer Gemeinde, tauschten sich an diesem heißen Juniabend schon vor dem offiziellen Beginn im Freien an Stehtischen aus und taten dies immer wieder während der fünf Gänge des Menüs. Und sie nutzten eifrig die bereit liegenden roten Fächer, um sich abzukühlen.
Heike Hofmann, die vor 17 Jahren in den Hessischen Landtag nachrückte, engagiert sich mittlerweile als Mentorin, um andere Frauen zu ermutigen sich in die Politik einzubringen und für ein Amt zu kandidieren. Als Mutter zweier Söhne weiß sie um die Schwierigkeiten, Beruf und Karriere zu verknüpfen, aber auch um die Chancen, Einfluss nehmen zu können auf gesellschaftliche Entwicklungen. Die Schere zwischen Armut und Wohlstand müsse geschlossen werden und dürfe nicht noch weiter auseinanderklaffen, sagte sie.

Ob Veränderungen im Leben positiv oder negativ empfunden werden, hänge auch davon ab, ob wir diese persönlich beeinflussen können, weiß Monika Lünzmann auch aus persönlicher Erfahrung. Beruflich und privat steckte sie 2003 in einer Krise, fühlte sich ausgebrannt. Das Buch „Königin und wilde Frau“ über weibliche Archetypen von Pater Anselm Grün und Linda Jarosch habe ihr zunächst geholfen. Die Managerin der Deutschen Bank wechselte nicht nur die Abteilung, sondern machte nebenberuflich noch eine Ausbildung zum Coach. Heute ist sie als Mentorin tätig, unter anderem im Projekt berami der Stadt Frankfurt unterstützt sie qualifizierte junge Immigrantinnen dabei, Jobs zu finden. „Mein Lebensweg hat mir klar gemacht, dass nicht die Ziele das Wichtige sind, sondern die Erlebnisse auf dem Weg zum Ziel“, sagte Lünzmann.

Dass Ehrenamt Leben verändert – nicht nur das eigene – dafür steht Monika Hübenbecker, die in Pfungstadt vielfältig engagiert ist: als Vorsitzende des Seniorenbeirats, im FiZ (Frauen im Zentrum), im Förderverein Kommunales Kino, den Naturfreunden Pfungstadt oder als Lohnsteuerbeauftragte von ver.di. Die Bankkauffrau in Altersteilzeit ist schon sehr lange in der Gewerkschaft aktiv. „Menschen zu informieren, ihnen mein Wissen weiterzugeben, sich um ihre Belange zu kümmern – das macht mir einfach Spaß und gibt mir persönlich sehr viel“, sagte die die Frau mit den vielen Ehrenämtern. Sie nehme in Pfungstadt die Themen auf, die sie interessieren – von Lesungen über Kinoevents bis zu Beratungsangeboten gegen Häusliche Gewalt – „und andere haben auch etwas davon“.

Über Gefühle im „Tower“ sprach Tabitha Oehler, die seit vielen Jahren in der Trauerseelsorge tätig ist, unter anderem für das Evangelische Dekanat Darmstadt-Land in Weiterstadt-Braunshardt. Sie und ihr Kreis bieten unterschiedliche Angebote für Trauernde – Jugendliche wie Erwachsene - an. „Trauernde Menschen machen uns Angst, verkörpern sie doch die Tatsache, dass im Leben vieles nicht planbar ist und dass der Tod gegenwärtig ist“, so Oehler. Trauende bräuchten immer wieder einen Schutzraum, in den sie sich zurückziehen könnten, um Kraft zu schöpfen. Der Turm könne aber auch zum Gefängnis werden, in das sich die Betroffenen selbst begeben, sich einmauern. Die Gäste im Elisabeth-Haus forderte sie auf, sich verändern zu lassen, „indem Sie Trauernden nicht ausweichen, indem sie zuhören und versuchen zu verstehen.“
Die Rede der Trauerseelsorgerin bot viel Gesprächsstoff für die Frauen an den fünf festlich geschmückten Tischen, die farblich unterschiedlich - von Gelb über Orange bis Violett - dekoriert waren. Die „Küchenfeen“ der Kirchengemeinde Roßdorf hatten passend zur Jahreszeit ein fünfgängiges Menü „gezaubert“, für das es viel Lob und großen Applaus von den Gästen am Ende gab. Eingeladen zu diesem Frauenmahl hatte der Dekanatsfrauenausschuss (DFA). Gerlinde Nintzel aus Roßdorf, die Beauftragte für Frauenarbeit im Dekanat hatte mit den anderen Mitgliedern des DFA und Carmen Prasse, Stabsbereich Chancengleichheit der EKHN, gemeinsam diese Veranstaltung organisiert und auch durch das Programm geführt.

 

Tischrednerinnen Roßdorf

 

Tischrednerinnen Roßdorf 2017
Tischreden knüpfen an die Praxis im Pfarrhaus von Martin Luther an. Carmen Prasse würdigte in ihrem Impuls die Rolle der Frauen, die ebenfalls zur Verbreitung der Reformation beigetragen haben. Dies werde im Jubiläumsjahr durch Vorträge, Ausstellungen und mehr gewürdigt. Reformation heute könnte bedeuten, „dass Menschen nicht den Wert des Geldes über alles stellen, sondern sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzen und allen ermöglichen am Erwerbsleben teilzunehmen“, sagte Prasse.
Während des Frauenmahls wurde aber nicht nur gegessen, diskutiert und gelacht, sondern auch gesungen. Dekanatskantorin Gerlinde Fricke begleitete das Frauenmahl musikalisch am Klavier. Das Lied „Steht auf! Steht zusammen“ sangen die Gäste im Kanon - eine gute Überleitung zur Tischrede von Martina Winkelmann, Leiterin des Bereichs Recht der IHK. In ihrem Vortrag „Frau in der Leitungsebene“ beschrieb sie nicht nur ihre eigenen Erfahrungen, sondern zeigte auch anhand von Zahlen, dass Frauen weiterhin in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, doch das ändere sich gerade. „Wir brauchen Vorbilder, dass es auch Frauen mit Kindern in der Leitungsebene gibt. Die Juristin ist selbst Mutter und will Frauen ermutigen zu sagen: „Ich kann das!“.
Birte Weber aus Groß-Umstadt, mit 17 Jahren die jüngste Teilnehmerin, fand die Tischreden inspirierend. Sie nimmt mit, dass Frauen vieles schaffen können, und man nicht unbedingt benachteiligt sei. Aber es brauche Selbstbewusstsein. Inge Beer, die früher in Roßdorf wohnte, hat viele Anregungen mitnehmen können. Sie war aus Saarbrücken angereist, um auch beim zweiten Frauenmahl dabei sein zu können

 

Pressemitteilung
Ober-Ramstadt/Roßdorf, 26. Juni 2017
Text: Maline Thierolf-Jöckel

Hintergrund Frauenmahl:
Die Idee des  Frauenmahls geht auf eine Initiative des Fachbereichs Evangelische Theologie der Uni Marburg, der Frauenarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und dem Frauenstudien- und -bildungszentrum in der der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurück, die 2011 in Marburg ein Frauenmahl veranstaltet haben.
Frauen treffen sich zu einem festlichen Essen. Ziel des Abends ist der Austausch zur Zukunft von Religion, Kirche und Gesellschaft. Zwischen den Gängen des Menüs inspirieren kurze, engagierte Tischreden das Gespräch. Die prominenten Rednerinnen kommen aus den christlichen Kirchen, anderen religiösen Gemeinschaften, aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Journalismus .Die Initiative Frauenmahl ist ein Beitrag zur Reformationsdekade der EKD. Das Format der Tischrede lehnt sich an die Praxis im Hause Luthers an: „Luther gelang es in seinen Tischreden, Theologie und Alltag überzeugend zusammen zu bringen“, so Ulrike Wagner-Rau, Professorin für Praktische Theologie und Mitorganisatorin des Marburger Frauenmahls, „dieses Redeformat möchten wir für heute neu entdecken.“
www.frauenmahl.de

 

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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