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Presseinfo vom 18.5.2014 zum Frauenmahl in Darmstadt 2014

Von Stolpersteinen und Hoffnungsträgern

Erstes Darmstädter Frauenmahl in der Stadtkirche in Darmstadt


Darmstadt. Fast 100 Frauen erlebten beim ersten Darmstädter Frauenmahl in der Stadtkirche geistreiche Reden und gutes Essen. Zwischen den Gängen sprachen sieben Rednerinnen in der Tradition der Tischreden zur Zukunft von Religion und Kirche in der Gesellschaft.


Darmstadt 2014

Rund 100 Frauen fanden im spätgotischen Chorraum der Stadtkirche an stilvoll gedeckten Tischen Platz, um zu speisen und zwischen den Gängen des Menüs den Reden von Frauen aus Kirche, Wissenschaft und Politik zu lauschen. Obendrein gab es stimmungsvolle Musik von Annette Graumann (Flöte) und Ute Steffan (Harfe). Das erste Frauenmahl in Darmstadt sollte nach den Worten der Organisatorin Anita Gimbel-Blänkle, Pfarrerin der Stadtkirchengemeinde und zuständig für Chancengleichheit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), „Anlass bieten für Rückblick und Ausblick darauf, was sich positiv verändert hat für Frauen in Kirche und Gesellschaft“. Unter dem Motto „Wir wollen hier auf Erden schon…“ war Platz für Rückschritte und Stolpersteine sowie für Visionen und Träume in den Tischreden nach Luthers Tradition. Das Konzept der Frauenmahle wird in der Lutherdekade (2007 bis 2017) in ganz Deutschland angeboten.

Den Anfang machte Karin Held. Die Pröpstin schöpfte aus dem Buch Tobit, wo der Engel Raphael im Menschengewand den Sohn Tobias ermutigend begleitet, für die  Lebenswelt von Frauen heute. Dabei empfahl sie, „gute Mächte in den Blick zu nehmen und zu behalten“. „Lebensbegleiter“ könnten wohlmeinende Menschen, aber auch Bücher sein – getreu dem Wort von Nelly Sachs: „Viele Engel sind euch gegeben, aber ihr seht sie nicht.“ Heidi Rosenstock, früheres Mitglied der Kirchensynode und Kirchenleitung sowie Wegbereiterin feministischer Theologie, sprach über Erreichtes und Unerreichtes in der Gleichberechtigung in der Kirche. Dabei bemängelte sie eine immer noch unzureichende frauengerechte Sprache in Gottesdiensten.

Dass zu wenige Frauen in Spitzenpositionen säßen, war immer wieder Thema in den siebenminütigen Reden der Frauen, die jeweils zunächst durch Vorrednerinnen vorgestellt wurden. Die Mühltaler Bürgermeisterin Astrid Mannes bot eine Erklärung an, dass Männer ihre Karrieren gezielter planten, während Frauen länger überlegten und Zweifel hegten, ob sie für bestimmte Positionen geeignet seien. Schon aufgrund des demografischen Wandels würden jedoch bald Frauen selbstverständlich in Führungspositionen benötigt, von der Frauenquote halte sie dagegen nichts.

An den Tischen wurden die Themen und Thesen der Rednerinnen munter aufgenommen und weiterdiskutiert.

Bianca Schamp, persönliche Referentin des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, berichtete unter anderem von unterschiedlichen Reaktionen auf das Familienpapier der EKD und hob hervor, dass ihr Chef die inklusive Sprache, also die Nennung von weiblicher und männlicher Form, konsequent anwendete. Jasmin Meister, Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Hessen und Nassau und Theologiestudentin, spiegelte einen unbeschwerten Zugang zum Thema Gleichberechtigung, da Frauen in ihrem Studium ohnehin in der Überzahl seien: „Ich will an einer Kirche und Gesellschaft arbeiten, in der nicht nach dem Geschlecht gefragt wird.“

Die Ingenieurin Christina Will gab Einblick in ihre Erfahrungen in Sachen Gleichberechtigung im Bereich der Wissenschaft. In leitender Position und als Gleichstellungsbeauftragte bei der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung hat sie sich einen Platz in der Männerdomäne Technik erarbeitet. Sie rief Frauen auf, sich zu ihren eigenen Stärken zu stellen und dabei Männern auch einmal auf die Füße zu treten – „Das macht nichts, die haben breite.“ Zu fortgeschrittener Zeit - das Frauenmahl dauerte fast fünf Stunden – berichtete die frühere Moderatorin beim Hessischen Rundfunk, Alrun Kopelke, eindrücklich von der Reformation ihres eigenen Lebens. Sie hat ihren Beruf aufgegeben, Theologie studiert und absolviert derzeit ihr Vikariat. Sie schätze die „Freiräume der Kirche“, in denen sie mehr gestalten könne als zuvor als Journalistin. „Kirche hat unglaublich Starkes zu bieten“, sagte die angehende Pfarrerin, „mich nährt der Beruf, obwohl ich weniger verdiene.“

Neben dem Stabsbereich Chancengleichheit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau waren in der Organisation des ersten Darmstädter Frauenmahls die Evangelische Stadtkirchengemeinde, die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau sowie der Dekanatsfrauenausschuss des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt beteiligt.

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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