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Artikel zum 1. Frauenmahl in Gelsenkirchen

„Einander mit dem Herzen zuhören“

Beim Frauenmahl gab es Tisch-Reden und Tisch-Gespräche

GELSENKIRCHEN – Es war das erste Frauenmahl in Gelsenkirchen – und wenn es nach der Reaktionen der Teilnehmerinnen geht, wird es bestimmt nicht das letzte gewesen sein. „Ein schöner Abend mit kurzweiligen Reden – das können nur Frauen!“ So lautete einer der begeisterten Einträge ins Gästebuch. Viele baten um eine baldige Neuauflage dieses Veranstaltungsformates für Frauen.

140 Frauen waren der Einladung von Susanne Fischer (Gleichstellungsstelle der Stadt) und Pfarrerin Antje Röckemann (Gender-Referat des Kirchenkreises) gefolgt. Schon im Vorfeld wurde deutlich, dass die Idee des Frauenmahls großen Anklang fand. „Die Karten waren ruckzuck vergriffen“, so Röckemann.

Es gab ein festliches Essen mit fünf Gängen, dezent musikalisch untermalt, dazwischen fünf Tischreden zum Thema „Zusammenleben gestalten“ – all das im Ambiente des stadtbauraum (ehemals das Maschinenhaus am Schacht Oberschuir der Zeche Consolidation).

Die Idee zum Frauenmahl ist auf dem Weg zum Reformationsjubiläum entstanden. Ausgangspunkt waren die Tischreden im Haus von Martin Luther und Katharina von Bora. Die Tisch-Reden geben Impulse für die Tisch-Gespräche. Seit dem ersten Frauenmal im Oktober 2011 ist daraus eine Bewegung entstanden. Schon über 170 Frauenmahle gab es seither in Deutschland.

Wie Frauen die Gesellschaft und das Zusammenleben heute und zukünftig gestalten, darüber sprachen am 14. September fünf Referentinnen aus ganz verschiedenen Arbeitsfeldern und Weltanschauungen. Ulrike Hauffe (Bremer Landesbeauftragte für Frauen) stellte das Wir in den Mittelpunkt. Es sei in Deutschland nach wie vor eine strukturelle Ungerechtigkeit zu Lasten von Frauen vorhanden. Um sie zu bekämpfen, müssten Frauen gemeinsam vorgehen. „Zusammenleben bedeutet, dass wir uns mit einem Wir beschäftigen müssen.“

Nino Melashvili (Sozialwissenschaftlerin in der Anerkennungsberatung für Geflüchtete, Bochum) erzählte von den Menschen, denen sie in ihrer Arbeit begegnet. Viele hielten das Zusammenleben verschiedener Kulturen für besonders schwierig und glaubten, es gebe mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. „Aber ich bin der Meinung, dass wir Menschen mehr gemeinsam haben als wir denken. Wir müssen das nur herausfinden, indem wir miteinander sprechen und einander mit dem Herzen zuhören.“

Rabeya Müller (u.a. Imamin im Liberalen Islamischen Bund, Köln) fragte programmatisch „Wem gehört die Stadt?“ Inzwischen hätten bereits viele muslimische Frauen den Freiraum an den Hochschulen erobert. Es werde allerdings noch einige Zeit dauern, bis das Früchte trüge. „Wenn wir das Risiko nicht scheuen, aufeinander zuzugehen – dann gehört uns Frauen nicht nur die Stadt.“

Dr. Aurica Nutt (Katholische Theologin, Universität Köln) beschrieb die Aufgabe der feministischen Theologie: „Sie analysiert die Frage nach der Benachteiligung von Frauen in den Religionen und aus Sicht dieser Religionen. In meinem Fall hinterfrage ich also vor allem kritisch das Christentum, genauer gesagt die römisch-katholische Kirche, zu der ich gehöre.“ Die Ursachen für die Benachteiligung von Frauen ebenso wie für Diskriminierungen von Schwulen und Lesben seien häufig in der Religion zu finden „auch bei Menschen, die sich gar nicht mehr als religiös verstehen, aber von diesem oder einem anderen Kulturkreis geprägt sind.“ Dies zu erkennen, sei eine Voraussetzung dafür, Perspektiven für eine Verbesserung zu entdecken.

Ursula Theißen (Frauenkulturbüro NRW, Krefeld) berichtete aus der Lebenswirklichkeit von Künstlerinnen. „Sie verdienen im Durchschnitt ein Drittel weniger als Männer und haben ein Jahreseinkommen von 11.500 Euro“. Ihre Tischrede endete mit einem leidenschaftlichen Appell: „Unterstützen Sie die Künstlerinnen in Ihrem Umfeld!“

So vielfältig wie die Ansätze der Referentinnen waren auch die Gäste. Sie kamen aus verschiedenen Ländern und Religionen, viele aus der interkulturellen Arbeit des Gender-Referates. Sie kamen aus den Evangelischen Gemeinden von Höntrop im Süden bis Buer im Norden des Kirchenkreises. Sie kamen aus der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Sie kamen aus Arbeitsfeldern, die mit der Förderung von Frauen zu tun haben. Und sie kamen miteinander ins Gespräch.

Von Katharina Blätgen | Quelle: http://www.kirchegelsenkirchen.de/infos/nachrichten/artikel/tx_news/einander-mit-dem-herzen-zuhoeren.html

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