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Presseinfo vom 04.02.2012 zum Rheinischen Frauenmahl in Kalkar

Begeisterte und begeisternde Gespräche bei Tisch


Die Künstlerin Eva Sand hält eine Tischrede beim Rheinischen Frauenmahl in Kalkar

„Das war ein wunderbarer Abend. Ich möchte auch beim nächsten Mal unbedingt wieder dabei sein, wenn Sie einladen.“ So war es von vielen der Teilnehmerinnen am Ende des Rheinischen Frauenmahls in Kalkar zu hören.

60 Frauen hatten sich an diesem Abend auf Einladung des Fachausschusses Frauenfragen im Evangelischen Kirchenkreis Kleve zusammengefunden zu einem Frauenmahl und damit zu Tischgesprächen in der Tradition der Reformation.

Schon zu Zeiten Luthers und Zwinglis gab es Frauen, die ernst machten mit der reformatorischen Einsicht, dass alle getauften Christinnen und Christen zu Pfäffinnen und Pfaffen berufen sind und damit zur öffentlichen Verkündigung des Wortes. Doch bis heute ist es so, dass die Belange von Frauen im kirchlichen wie im öffentlichen Raum immer wieder als Randfragen abgetan werden. Darauf machten besonders Marion Claaßen von der Frauenberatungsstelle Impuls und Andrea Perau, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Kleve, aufmerksam. Marion Claaßen forderte besonders die Kirchen dazu auf, sich zu öffnen für die unterschiedlichen Lebenslagen von Frauen und bereit zu sein, diesen Frauen Raum zu geben.

Andrea Perau und Marion Claaßen waren zwei der acht Tischrednerinnen, die mit kurzen Impulsvorträgen immer wieder neue Anstöße in die bunt gemischten Tischrunden gaben. Denn die Plätze an den festlich gedeckten Tischen waren mit dem Ziel vergeben worden, möglichst viele verschiedene Frauen miteinander ins Gespräch zu bringen. Ein Prinzip, das zunächst Erstaunen hervorrief, aber dann als äußerst positiv erlebt wurde.

Da stellte dann auch manche Tischrunde überrascht fest, dass sie gut ökumenisch durchmischt war. Auch in den Beiträgen der Referentinnen zeigten sich interkonfessionelle Aspekte. So verdeutlichte Dr. Barbara Hendricks in ihren Überlegungen zur Gewissensfreiheit von Abgeordneten, wie sie – obwohl Mitglied des Zentralkommitees der Deutschen Katholiken - in Gewissensfragen trotzdem zu einer persönlich verantworteten politischen Positionierung gelangt, die aus dem Spannungsverhältnis von Freiheit und Verantwortung erwächst.

Über die Verantwortung für die Gesellschaft sprach auch Dr. Bettina Paust, Künstlerische Direktorin des Museums Schloss Moyland. In ihren Überlegungen zu „Christus und die Erfindung der Dampfmaschine“ zeigte sie auf, wie die gesellschaftliche Verantwortung im Konzept der sozialen Plastik von Joseph Beuys angelegt und religiös motiviert ist. Bei Beuys geht es dabei nicht um eine kirchlich geprägte Religiosität, sondern um die christliche Substanz, die als „geistiges Wärmeelement“ erfahren wird.

Auch die Klever Unternehmerin Susanne Rexing betonte die Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft, die bestimmt sein müsse durch Qualität und Menschlichkeit. Durch ihren Tätigkeitsbereich sieht sie sich immer wieder in der Situation, entscheiden zu müssen, ob sie in bestimmten Gremien als Frau nur eine Alibifunktion erfüllt oder ob tatsächlich ihre Expertise gefragt und ihr spezifischer Beitrag gewünscht ist.

In solchen Situationen sind Entschiedenheit und Glaubwürdigkeit Maßstäbe, die ein sicheres Urteil ermöglichen. Ein Gedanke, den die Landtagsabgeordnete Margret Vosseler stark machte. Sie hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für Glaubwürdigkeit, die sie besonders von der Kirche fordert. Das Beharren auf und die Vermittlung von Glaubwürdigkeit könne gerade in der Kirche gespeist werden von der Gewissheit, dass die Dinge gut ausgehen werden. Durch dieses Festhalten an der Hoffnung vermöge die Kirche der Gesellschaft wichtige Impulse zu geben.
Getragen von einer Vision zeigte sich auch die Kalkarer Künstlerin Eva Sand, die mit ihrer Kunst anknüpft an die reichhaltige Tradition jüdischen Lebens in Deutschland. Mit einer Arbeit zu Psalm 23 veranschaulichte sie, wie Buchstaben und Worte sich zu zu Bildern formen, die die Botschaft in neuer Weise sichtbar machen und weitertragen.

Der abschließende Impuls kam von der Ehrenamtlichen Vorsitzenden des Gesamtverbandes der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland, Adelheid Wawrzinek aus Geldern. Begeistert stellte sie vor, wie ein alter Verein wie die Frauenhilfe in seinen Zielen und in seiner Arbeit nach wie vor mitten im Leben steht. Mit zahlreichen Initiativen und Projekten nimmt sich die Frauenhilfe der Herausforderung an, Frauen vielfältig und weltumspannend Hilfe und Unterstützung anzubieten. Im Beitrag von Adelheid Wawrzinek wurde deutlich, wie ein kirchlicher Frauenverband Motor sein kann, Frauen in ihren spezifischen Lebenslagen wahrzunehmen, ihnen Raum und Unterstützung anzubieten und sie so zu motivieren, sich zu entfalten.

Dass die angesprochenen Fragen wichtige Belange von Frauen in der Gesellschaft in den Blick rücken. wurde in den vielfältigen Gesprächen bei Tisch deutlich. Die Gästinnen genossen dabei die geistigen Anregungen ebenso wie die leiblichen Genüsse, die den Austausch beflügelten. Dass solcher Austausch wichtig und anregend ist, war den Gesichtern der Besucherinnen abzulesen. Er drückte sich aus in dem vielfach geäußerten Wunsch, dass das Frauenmahl eine Fortsetzung finden solle.

(Zum Bild: Die Künstlerin Eva Sand hält eine Tischrede beim Rheinischen Frauenmahl in Kalkar)

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
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