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Frauenmahl am 22. Mai 2014 in Tutzing

Heiter bis kritisch – das zweite "Tutzinger Frauenmahl"

Kurzbericht von Studienleiterin Dr. Ulrike Haerendel, Evang. Akademie Tutzing


Unter dem Motto des Dekadenjahrs "Reformation und Politik" trafen sich 65 Frauen zum zweiten "Tutzinger Frauenmahl". Luthersche Tischgespräche in weiblicher Wendung – was heißt das? Inspirierendes und Überraschendes, Heiteres und Kritisches, Gelehrtes und Unterhaltsames – die Referentinnen boten ein breites Repertoire auf. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Kuratoriumsvorsitzende der Evangelischen Akademie Tutzing Christine Scheel hielt ein engagiertes Plädoyer gegen Europaverdruss und lud dazu ein, neben der sicher auch berechtigten Kritik am institutionellen und bürokratischen Apparat den Fortschrittsmotor in diesem großen politischen Projekt Europa zu sehen, gerade was etwa die Gleichstellungs- und Genderpolitik angeht. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut, wollte nicht das häufig bemühte Klischee von der unpolitischen und nur am persönlichen Wohlergehen interessierten Jugend stehen lassen. Die junge Generation denke eher situations- und projektbezogen; sie wolle Partizipation, wenn auch nicht unbedingt in den klassischen Parteien. Insofern müsse sich auch die Gesellschaft neuen Formen und Formaten der Beteiligung öffnen, wie sie etwa die sozialen Netzwerke oder Protestcamps darstellten. Die Theologin Claudia Janssen vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen hatte einige kritische Anfragen zur Rolle der eigenen Kirche in Fragen der Gesellschaftspolitik. Sie wünsche sich manchmal eine größere Diskursfähigkeit oder auch lebenspraktische Hilfeleistungen der Kirche dort, wo neue Herausforderungen entstünden, so in den Identitätsfragen intersexueller Menschen oder was die Lebensentwürfe von homosexuellen Paaren anginge. Immerhin, so hob sie hervor, habe die "Orientierungshilfe" der EKD zum Thema Familie hier wichtige Akzente gesetzt. Auch ihre Kollegin Elaine Neuenfeldt vom Lutherischen Weltbund sah bei allem Erreichten noch Einiges an Arbeit für die Genderpolitik in Kirche und Gesellschaft. Die nackten Zahlen bei den Führungspositionen zeigten die "gläserne Decke", an die Frauen –in aller Welt - noch immer stießen. Jeanne Rubner als Naturwissenschaftlerin, die schon seit vielen Jahren als Journalistin arbeitet, nahm das deutsche Wissenschaftssystem kritisch aufs Korn. Zu wenig ließe sich die "ForschungsAG Deutschland" auf brennende gesellschaftliche Fragestellungen ein und bliebe den traditionellen, patriarchalisch geprägten Strukturen verhaftet.
Gerahmt wurde der Abend von Vertreterinnen der veranstaltenden Organisationen: Akademie, Landeskirche und Diakonie Bayern. Er begann mit einer Begrüßung durch Hannemor Keidel, Kuratoriumsmitglied der Evangelischen Akademie Tutzing, und endete mit einem Abschiedssegen von Isolde Heine-Wirkner, Mitglied im Diakonischen Rat. Karla Sichelschmidt, Leiterin des Landeskirchenamtes, informierte als Moderatorin die Gäste über die jeweilige Rednerin und unterhielt mit kleinen süffisanten Kommentaren etwa zum Exzellenz-Wettbewerb zwischen LMU und TU München. Deftig, frech und lebenspraktisch weiblich waren die Lieder der Akkordeonistin Michaela Dietl, die ihre Zuhörerinnen zum Nachtisch aus den Höhen der Reflexion durchaus nicht ganz sanft auf bayerischen Heimatboden zurückholte.

Dieser Internetauftritt gehört zum Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie (vorher: Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD, FSBZ).
Besuchen Sie uns unter www.gender-ekd.de.

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